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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2000
Ausgabe 01 / 2000
Verändern sich Spreizfähigkeit und Fingerlänge bei Cellisten und Gitarristen durch das Üben?
R. Klöppel
Unter Musikern ist die Meinung verbreitet,
dass durch extreme Gelenkpositionen (auch
durch Dehnübungen) die Beweglichkeit in den
entsprechenden Gelenken verbessert wird.
Außerdem existiert vereinzelt die Ansicht, der
ausgiebige Gebrauch der Finger seit der
Kindheit führe zu einer Zunahme der Fingerlänge. Über diese Ansichten, die auch pädagogische Aspekte berühren (z.B. Sinn und
Unsinn von Dehnübungen), gibt es trotz ausgedehnter Längsschnittuntersuchungen über
die Beschaffenheit von Musikerhänden bislang fast keine objektiven Erkenntnisse. Untersuchungen in größerem Umfang sind lediglich zum Supinatonswinkel im linken Ellenbogengelenk bei Geigern durchgeführt worden
mit dem Ergebnis, dass hierfür ererbte Faktoren entscheidend sind. Um Antwort auf die
Frage zu bekommen, ob äußere Faktoren die
Gelenkverhältnisse an der Hand sowie die
Fingerlänge beeinflussen, wurden bei insgesamt 210 Personen (Cellisten, Gitarristen,
Vergleichspersonen) die aktive Spreizfähigkeit und die Fingerlänge gemessen. Die
Hypothese lautete, dass bei Musikern ein
Vorteil in der Spreizfähigkeit der linken Hand
gegenüber der rechten bestehen müsste,
wenn die häufig eingenommenen extremen
Gelenkstellungen auf dem Griffbrett einen
Einfluss auf die Spreizfähigkeit hat. Bei den
Nichtmusikern sollte dieser Unterschied nicht
in dieser Weise vorhanden sein. Entsprechendes müsste auch für die Fingerlänge
gelten, wenn diese durch das Musizieren
beeinflusst wird.
Bei den Ergebnissen zeigte sich bei Musikern
und Nichtmusikern bei den meisten Messwerten eine bessere Spreizfähigkeit links als
rechts. Beim Vergleich der Gruppen untereinander bestand lediglich für die Spanne zwischen Zeige- und Kleinfinger ein signifikant
größerer Vorteil für die linke Hand bei den
Cellisten gegenüber der Vergleichsgruppe.
Die Cellisten hatten gegenüber der Vergleichsgruppe links längere Finger als rechts.
Diesen Unterschied führen wir auf die stärker
ausgeprägten Fingerkuppen der Cellisten
zurück.
Aus-Druck beim Klavierspiel: Eine Untersuchung zur Tastendruckdynamik
J. Tiedemann, D. Drescher, E. Altenmüller
Unökonomischer, übermäßig starker oder
zu lang andauernder Krafteinsatz an der
Klaviertastatur kann Auslöser von Spielbeschwerden sein. In der vorliegenden Arbeit
wird ein neues Messverfahren vorgestellt,
mit dem ortsunabhängig mit hoher zeitlicher
Auflösung die auf die Klaviertastatur ausgeübten Fingerdrucke gemessen werden
können. Darüber hinaus können dem Spieler mit der Messvorrichtung Anschlags- und
Haltedruck über einen Bildschirm nahezu in
Echtzeit zurückgemeldet werden.
Bei zehn Hauptfach-Pianisten, neun Nebenfach-Pianisten und sieben musikalischen Laien wurde die Tastendruckdynamik während der Ausführung von C-Dur
Tonleitern mit der rechten Hand verglichen.
Hauptfach-Pianisten und NebenfachPianisten waren im Gegensatz zu Laien in
der Lage, „ökonomisch“ zu spielen und
rasch nach Erreichen des Tastengrundes
die Hand zu entspannen. Alle drei Probandengruppen konnten von dem TastendruckBiofeedback profitieren und durch gezielte
Rückmeldung ihren Krafteinsatz optimieren.
Nach Aufforderung zu ausdrucksvollem
Spiel zeigte sich jedoch, dass vor allem bei
Hauptfach-Pianisten die Kraftökonomie
zugunsten des gestischen Ausdrucks in
den Hintergrund trat. Die Konsequenzen für
die Klavierpädagogik werden diskutiert.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren