DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

Zeitschrift 2026

Ausgabe 02 / 2026

Komplette Ausgabe

Herausgeber:innen: J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H. C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Ausgabe 01 / 2026

Komplette Ausgabe

Herausgeber:innen: J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H. C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Abstract

„Making Music Together“: Schmerz, Resilienz und soziale Einbettung im Musikstudium

Michaela Korte und Deniz Cerci

Zahlreiche Studien belegen hohe Schmerzprävalenz bei Musikstudierenden, doch die Schmerzverarbeitung blieb weitgehend unerforscht. Eine Multi-Gruppen-Studie an britischen Institutionen mit 103 Studierenden verglich Musikhochschul-Studierende, Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende ohne musikalische Affinität hinsichtlich Schmerzprävalenz und -verarbeitung. Alle Gruppen berichteten durchschnittlich 20,2 Wochen durchgehendes Schmerzempfinden in den vorgegangenen 12 Monaten. Obwohl Musikstudierende häufiger chronische Schmerzen erleben (39% der Musikhochschul-Studierenden vs. 22% der Nicht-Musiker), zeigten sie signifikant niedrigere Schmerzkatastrophisierung und konnten ihre Schmerzen präzise identifizieren. Dieses Paradox könnte durch protektive Faktoren erklärt werden: differenziertes Körperbewusstsein durch jahrelanges Üben, starke soziale und berufliche Identität sowie soziale Einbettung durch gemeinsames Musizieren. Diese Faktoren ermöglichen es, trotz Schmerzen auf bedeutsame Ziele hinzuarbeiten. Eine qualitative Studie mit sieben professionellen Musikern aus Großbritannien, die depressive Episoden erlebt hatten, zeigt jedoch, dass strukturelle Barrieren – Macht-Ungleichgewicht, Konformitätsdruck, inadäquate Hilfsangebote – die Vulnerabilität erhöhen. Erfolgreiche Präventionsprogramme kombinieren externe Angebote mit Berücksichtigung von Gesundheit als gemeinsame Verantwortung und unterstützen sowohl Studierende als auch Lehrende. Die Befunde fordern einen Paradigmenwechsel: Statt absolute Schmerzfreiheit als Voraussetzung für Exzellenz zu betrachten und einzelne Studierende als Problem zu stigmatisieren, müssen adaptive Bewältigungsstrategien gefördert und strukturelle Bedingungen verbessert werden.

Abstract

Traumberuf — Ein Handwerker mit 150 Werkzeugen

Frederick Dustmann

Erschienen in FAZ.NET, 30.10.2025

Martin Hennecke ist Pauker im Saarländischen Staatsorchester / Für ihn ist es ein Traumberuf – doch der hat seinen Preis.

Etwa 30 verschiedene Trommelschlägel liegen wie Chirurgenbesteck fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Martin Hennecke greift sich zwei Schlägel und fängt leise an, auf seiner Pauke zu spielen. Die Probe des Staatsorchesters Saarbrücken kann beginnen.

Abstract

Wieder gesund musizieren

Helmut Möller

  1. Einleitung & Hintergrund

Musizieren ist für viele Menschen nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung – ein Lebensweg, der bereits in früher Kindheit beginnt. Doch die Faszination der Musik und die Freude am Spiel werden oft von Belastungen überschattet, die tief in die Sozialisation und Ausbildung von Musikerinnen und Musikern eingebettet sind. Gesundheitliche Probleme sind dabei kein Randthema, sondern ein zentrales Risiko, das die künstlerische Entwicklung und das gesamte Leben prägen kann.

Abstract

Wann ist ein Musiker (k)ein Musiker? – Eine Erkundungsstudie über das Erleben des Berufswechsels von studierten Musikern

Konstantin Heinrich

Einleitung

Nicht selten hören studierte und professionelle Musikerinnen und Musiker jenen Satz: „Das ist ja schön. Sie haben ihr Hobby zum Beruf gemacht!“ Studierte Musiker erwerben im Kindes- und frühen Jugendalter musikalische Fähigkeiten. Musik wird zum Hobby neben der Schule. Das Musizieren und das Spielen eines Instruments werden zum festen Bestandteil des Lebens der Person und ihrer Identität. Was passiert, wenn der Beruf des Musikers aus unterschiedlichen Gründen, wie beispielsweise dem Nichterreichen des gesteckten Ziels eines Orchesterengagements oder der Anstellung an einem Musiktheater aufgegeben wird? Welchen Weg schlagen diejenigen ein, die ihr Ziel des professionellen Musikers nicht vollends erreichen oder sogar schon erreicht haben und dennoch einen Berufswechsel vornehmen? In der vorliegenden Arbeit wurde den Auswirkungen des Berufswechsels auf das intrapsychische Erleben der Personen und ihrer erlebten Identität nachgegangen. Welche intrapsychischen Konflikte müssen ausgehandelt, welche Ambivalenzen ausgehalten werden? Gibt es einen Versuch, den alten Beruf mit dem neuen Beruf zu verbinden oder findet eine Trennung statt? Sehen sich die Interviewten nach dem Berufswechsel noch als Musiker?

Abstract

Die Angst vor Musikauftritten: Der Zusammenhang von Expositionstherapie in virtueller Realität, subjektivem Angsterleben und Herzratenvariabilität

Katja Schröder

Theorie: Auftrittsangst beim Musizieren (engl. Music Perfomance Anxiety, MPA) äußert sich als anhaltende starke Befürchtung, dass Musikaufführungen zu negativer Bewertung und Misserfolg führen. Gekennzeichnet ist MPA durch kognitive Symptome (z. B. Zweifel an eigener musikalischer Leistung), affektive Symptome (z. B. Angst oder Panik) und körperliche Symptome (z. B. Zittern, Herzrasen, Schwitzen oder Atembeschwerden). Infolgedessen kann es zu Einbußen in der Leistungsfähigkeit oder Verhaltensänderungen (z. B. Vermeidung, Medikamenteneinnahme, Aufgabe der musikalischen Karriere) kommen. In Deutschland kann MPA gemäß ICD-10 als spezifische Phobie (F40.2) diagnostiziert werden. Etwa ein Viertel aller Musizierenden berichtet von schweren Problemen im Zusammenhang mit MPA, was die MPA hoch relevant für die klinische Forschung macht und die Notwendigkeit wirksamer therapeutischer Interventionen unterstreicht. Die vorliegende Arbeit ist Teil einer Therapiestudie von Herrmann, Bellinger et al. am Zentrum für Psychische Gesundheit der Universitätsklinik Würzburg. Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen einer virtuellen Expositionstherapie (engl. Virtual Reality Exposure Therapy, VRET) auf das Angstniveau in der musikalischen Auftrittssituation und die Herzratenvariabilität der Musizierenden zu untersuchen.

Methoden: Die Stichprobe bestand aus 35 Musizierenden, darunter Musikhochschulstudierende, Amateurmusikerinnen/-musiker und Berufsmusikerinnen/-musiker. Es wurde ein randomisiert-kontrolliertes Messwiederholungsdesign verwendet, um das allgemeine Angstniveau in der Auftrittssituation (gemessen anhand der Subjective Units of Discomfort; SUD), die Herzratenvariabilität (HRV) sowie die Zufriedenheit und eigene Bewertung der musikalischen Leistung auszuwerten. Erhoben wurden diese Messungen während eines virtuellen Auftrittsszenarios sowohl vor der Intervention als auch drei Wochen nach der Intervention. Die Versuchsgruppe erhielt vier Einheiten einer VRET, als Kontrollbedingung diente vier Einheiten eines Trainings in Progressiver Muskelrelaxation (PMR). Ergebnisse: Die Daten deuten darauf hin, dass VRET wirksamer darin ist, das subjektive Angstniveau in der Auftrittssituation zu senken als die Kontrollbedingung PMR. VRET führte außerdem zu einer höheren eigenen Zufriedenheit mit der musikalischen Darbietung. Bezüglich der Herzratenvariabilität und der Bewertung der eigenen musikalischen Leistung konnten keine signifikanten Effekte festgestellt werden.

Diskussion: VRET scheint ein vielversprechendes Instrument zur Behandlung von MPA in unterschiedlichen Kontexten zu sein. Eine negative Korrelation zwischen subjektiver Angst und Herzratenvariabilität weist auf einen Zusammenhang zwischen dem autonomen Nervensystem und dem erlebten psychischen Stress hin. Die Auswertung weiterer im Rahmen der Studie erhobener Parameter sowie zukünftige Untersuchungen mit einer größeren Stichprobe erscheinen zur besseren Einordnung erforderlich.

Abstract

Protokoll der Mitgliederversammlung

Protokoll der Mitgliederversammlung in Leipzig 2026.

Es fanden Wahlen statt.

Abstract

Wer sind wir? Zahlen und Fakten zur DGfMM

Carl Firle

Seit der Gründung der DGfMM am 1. Juli 1994 ist die Gesellschaft kontinuierlich gewachsen. Am 8. Oktober 2025 zählte sie 592 Mitglieder. In diesem Artikel wird die interdisziplinäre Zusammensetzung und die Entwicklung anhand der Mitgliederzahlen beleuchtet. Neben Ärztinnen und Ärzten (33 %), machen Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker die zweitgrößte Gruppe aus (28 %). 17 % sind als Musikpädagoginnen und Musikpädagogen tätig. Viele weitere Berufsgruppen und Qualifikationen kennzeichnen die Mitglieder der DGfMM.

Abstract

Der neue Vorstand der DGfMM

Vorstellung des neuen Vorstands.

Musikphysiologie und Musikermedizin in anderen Publikationen

Abstract

Übequalität, subjektives Stressempfinden und Übesucht bei Musikstudierenden

Julia Müller

Hintergrund

Das instrumentale oder vokale Üben nimmt im Leben von Musizierenden großen Raum ein, ist jedoch, wie die Literatur zeigt, bisher nicht ausreichend erforscht. Wenige Beispiele finden sich in den Studien von Jørgensen (1997) zur Übezeit von Musikstudierenden und Ericsson et al. (1993) zum Thema Deliberate Practice. Insbesondere zur Übequalität von Musikstudierenden (im Sinne von Deliberate Practice) ergibt sich eine Forschungslücke, wobei Passarotto et al. (2022) ein standardisiertes Messinstrument entwickelt haben, mit dessen Hilfe Deliberate Practice zukünftig untersucht werden kann.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren