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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
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Zeitschrift 2026
Ausgabe 01 / 2026
„Making Music Together“: Schmerz, Resilienz und soziale Einbettung im Musikstudium
Michaela Korte und Deniz Cerci
Zahlreiche Studien belegen hohe Schmerzprävalenz bei Musikstudierenden, doch die Schmerzverarbeitung blieb weitgehend unerforscht. Eine Multi-Gruppen-Studie an britischen Institutionen mit 103 Studierenden verglich Musikhochschul-Studierende, Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende ohne musikalische Affinität hinsichtlich Schmerzprävalenz und -verarbeitung. Alle Gruppen berichteten durchschnittlich 20,2 Wochen durchgehendes Schmerzempfinden in den vorgegangenen 12 Monaten. Obwohl Musikstudierende häufiger chronische Schmerzen erleben (39% der Musikhochschul-Studierenden vs. 22% der Nicht-Musiker), zeigten sie signifikant niedrigere Schmerzkatastrophisierung und konnten ihre Schmerzen präzise identifizieren. Dieses Paradox könnte durch protektive Faktoren erklärt werden: differenziertes Körperbewusstsein durch jahrelanges Üben, starke soziale und berufliche Identität sowie soziale Einbettung durch gemeinsames Musizieren. Diese Faktoren ermöglichen es, trotz Schmerzen auf bedeutsame Ziele hinzuarbeiten. Eine qualitative Studie mit sieben professionellen Musikern aus Großbritannien, die depressive Episoden erlebt hatten, zeigt jedoch, dass strukturelle Barrieren – Macht-Ungleichgewicht, Konformitätsdruck, inadäquate Hilfsangebote – die Vulnerabilität erhöhen. Erfolgreiche Präventionsprogramme kombinieren externe Angebote mit Berücksichtigung von Gesundheit als gemeinsame Verantwortung und unterstützen sowohl Studierende als auch Lehrende. Die Befunde fordern einen Paradigmenwechsel: Statt absolute Schmerzfreiheit als Voraussetzung für Exzellenz zu betrachten und einzelne Studierende als Problem zu stigmatisieren, müssen adaptive Bewältigungsstrategien gefördert und strukturelle Bedingungen verbessert werden.
Übequalität, subjektives Stressempfinden und Übesucht bei Musikstudierenden
Julia Müller
Hintergrund
Das instrumentale oder vokale Üben nimmt im Leben von Musizierenden großen Raum ein, ist jedoch, wie die Literatur zeigt, bisher nicht ausreichend erforscht. Wenige Beispiele finden sich in den Studien von Jørgensen (1997) zur Übezeit von Musikstudierenden und Ericsson et al. (1993) zum Thema Deliberate Practice. Insbesondere zur Übequalität von Musikstudierenden (im Sinne von Deliberate Practice) ergibt sich eine Forschungslücke, wobei Passarotto et al. (2022) ein standardisiertes Messinstrument entwickelt haben, mit dessen Hilfe Deliberate Practice zukünftig untersucht werden kann.
Zeitschrift 2025
Ausgabe 03 / 2025
Dissonanz im Studium: Sind Musikstudierende stärker gefährdet, an einer Depression zu erkranken?
Michaela Kortze und Deniz Cerci
Die Frage, ob Musikerinnen und Musiker häufiger an Depression leiden als andere Berufsgruppen, beschäftigt die Forschung seit langem. Zwei Studien an britischen Institutionen untersuchten die Depressionsprävalenz bei 103 Studierenden (Ø 23,6 Jahre) aus drei Gruppen: Musikhochschulstudierende, Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende. Mittels validierter Fragebögen erfolgte die Erfassung von Depression, Angst, Schmerzverarbeitung, Burnout und beruflicher Identität. Musikhochschulstudierende zeigten signifikant höhere Depressionsprävalenz als Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende. Paradoxerweise wiesen sie signifikant niedrigere Werte bei Angstzuständen und maladaptiver Schmerzverarbeitung auf. Die statistische Modellierung ergab Angst als stärksten Depressionsprädiktor, während die berufliche Musikeridentität per se keinen Risikofaktor darstellte. Eine qualitative Folgestudie mit sieben Musikern, bei denen eine Depression diagnostiziert worden war, untersuchte musikerspezifische Herausforderungen sowie die von ihnen eingesetzten Strategien zur Verbesserung ihrer Gesundheit. Qualitative Analysen offenbarten strukturelle Probleme in Musikinstitutionen: unzureichende Unterstützung für psychische Gesundheit, Machtungleichgewichte zwischen Studierenden und Lehrenden sowie eine Kultur des Schweigens über mentale Probleme. Die Beziehung zwischen Musikstudium und Depression erweist sich als komplex. Trotz erhöhter Depressionsprävalenz zeigen Musikhochschulstudierende in den relevanten Fragebögen durchweg bessere Bewältigungsstrategien. Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit differenzierter Präventionsansätze. Die Ergebnisse bestätigen bereits bestehende Forderungen nach Etablierung einer anerkannten Musikermedizin als eigenständige Disziplin, analog zur Sportmedizin. Ein derartiges Fachgebiet könnte Musikerinnen und Musikern bereits während ihres Studiums Unterstützung bieten und ihre langfristigen Karriereaussichten verbessern.
Zeitschrift 2022
Ausgabe 03 / 2022
Yoga für Musikerinnen und Musiker
Janina Kruse
Einleitung: Yoga wird unter verschiedenen Aspekten geübt und kann auch einen Ansatz zur Behandlung
körperlicher sowie seelischer Beeinträchtigungen
bieten. In verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte ein positiver Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden sowohl bei therapeutischem als auch
präventivem Einsatz des Yoga festgestellt werden. In
diesem Artikel soll der Einfluss der Yogapraxis auf das
Üben am Instrument sowie Körperbewusstsein und
Wohlbefinden Musikstudierender dargestellt werden.
Methoden: Zwischen Juli und November 2020
wurden Musikstudierende zur Teilnahme an einem
Online-Yogakurs im Umfang von 10 Einheiten mit je
75min eingeladen. Mittels Vorher-Nachher-Befragung
wurden Veränderungen in den Bereichen körperliche
und mentale Gesundheit sowie Schlafqualität, Körperbewusstsein, Haltung und Selbstbewusstsein erfasst.
Ergebnisse: Die subjektive Einschätzung der Studierenden bezüglich Haltung, Atmung und Körperbewusstsein hat sich verbessert, während Verspannungen und
Schmerzen rückläufig waren. Zudem wird von einem
stabileren Stand bzw. Sitz bei der musikalischen Tätigkeit berichtet. Darüber hinaus ist eine Steigerung des
Selbstbewusstseins zu verzeichnen. Insgesamt fällt es
den Teilnehmenden nach der Kursteilnahme deutlich
leichter, sich zu entspannen, und es gelingt den Studierenden, einige Yogahaltungen insbesondere in den
Übepausen der täglichen musikalischen Praxis bewusst
einzusetzen.
Fazit: Bereits nach sehr kurzer Zeit lassen sich positive
Veränderungen feststellen. Durch die Kursteilnahme
konnten Haltung und Körperwahrnehmung verbessert
werden. Schmerzen, Fehlhaltungen sowie muskuläre
Verspannungen der Teilnehmenden waren rückläufig.
Darüber hinaus hat Yoga einen positiven Einfluss auf für
die musikalische Tätigkeit wichtige psychische Faktoren.
Zeitschrift 2021
Ausgabe 01 / 2021
Musikphysiologie abstrakter Begriff oder geläufiger Terminus?
Lydia L. Weißert (Essen)
HINTERGRUND: Ein Musikstudium wird
häufig bereits mit physischen und psychischen
Beschwerden begonnen, die sich während des
Studiums potenziell sogar verstärken. Dies wirft ob
der sich immer weiter verbreitenden musikphysiologischen Angebote im Musikhochschulkontext
einige Fragen auf.
ZIEL: Das Ziel der Arbeit war, folgende Fragen
zu beantworten: Ist der Begriff Musikphysiologie
Studierenden geläufig? Können mit diesem Begriff
überschriebene Seminare der Musiker*innengesundheit zugeordnet werden? Welchen Titel muss
ein Seminar tragen, um von Studierenden eindeutig
der Musiker*innengesundheit zugeordnet werden
zu können? Wissen Studierende von musikphysiologischen Angeboten an ihrer Musikhochschule?
METHODE: Die Datenerhebung erfolgte vom
09.06.2020 bis 07.11.2020 per Online-Fragebogen.
Dieser wurde in drei Versandwellen an Studierende
der 24 deutschen Musikhochschulen verteilt. In der
dritten Versandwelle wurde eine Frage ergänzt. Die
Datenauswertung erfolgte via Microsoft Office 365®
Excel, Version 2008. Es wurden keine statistischen
Signifikanzen berechnet.
ERGEBNISSE: Von 457 Studierenden schlossen
80% die Umfrage ab. Zwanzig von 24 Musikhochschulen sind repräsentiert. Vierundfünfzig Prozent
der Teilnehmer*innen können den Begriff Musikphysiologie nicht zuordnen. Musikphysiologie
wird von 50 % mit gesunder und ergonomischer
Haltung beim Musizieren assoziiert, von 25 % mit
den psychischen und mentalen Komponenten des
Musizierens; 24 % müssten sich erst mit dem Begriff
auseinandersetzen, um ihn näher definieren zu
können. Von 127 Teilnehmer*innen, die die hinzugefügte Frage beantworteten, wissen 40 % nicht
sicher, ob es Angebote zur Musiker*innengesundheit an ihrer Musikhochschule gibt.
SCHLUSSFOLGERUNG: Der Begriff Musikphysiologie scheint Studierenden wenig geläufig zu
sein. Eine Sensibilisierung für musikphysiologische
Themen und dazugehörige Termini im Hochschulkontext scheint erforderlich, um zu gewährleisten,
dass erforschte Inhalte die Praxis erreichen.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren