DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

Ihr Filter für das Schlagwort "berufliche Identität" ergab: 1 Treffer

Zeitschrift 2025

Ausgabe 03 / 2025

Abstract

Dissonanz im Studium: Sind Musikstudierende stärker gefährdet, an einer Depression zu erkranken?

Michaela Kortze und Deniz Cerci

Die Frage, ob Musikerinnen und Musiker häufiger an Depression leiden als andere Berufsgruppen, beschäftigt die Forschung seit langem. Zwei Studien an britischen Institutionen untersuchten die Depressionsprävalenz bei 103 Studierenden (Ø 23,6 Jahre) aus drei Gruppen: Musikhochschulstudierende, Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende. Mittels validierter Fragebögen erfolgte die Erfassung von Depression, Angst, Schmerzverarbeitung, Burnout und beruflicher Identität. Musikhochschulstudierende zeigten signifikant höhere Depressionsprävalenz als Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende. Paradoxerweise wiesen sie signifikant niedrigere Werte bei Angstzuständen und maladaptiver Schmerzverarbeitung auf. Die statistische Modellierung ergab Angst als stärksten Depressionsprädiktor, während die berufliche Musikeridentität per se keinen Risikofaktor darstellte. Eine qualitative Folgestudie mit sieben Musikern, bei denen eine Depression diagnostiziert worden war, untersuchte musikerspezifische Herausforderungen sowie die von ihnen eingesetzten Strategien zur Verbesserung ihrer Gesundheit. Qualitative Analysen offenbarten strukturelle Probleme in Musikinstitutionen: unzureichende Unterstützung für psychische Gesundheit, Machtungleichgewichte zwischen Studierenden und Lehrenden sowie eine Kultur des Schweigens über mentale Probleme. Die Beziehung zwischen Musikstudium und Depression erweist sich als komplex. Trotz erhöhter Depressionsprävalenz zeigen Musikhochschulstudierende in den relevanten Fragebögen durchweg bessere Bewältigungsstrategien. Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit differenzierter Präventionsansätze. Die Ergebnisse bestätigen bereits bestehende Forderungen nach Etablierung einer anerkannten Musikermedizin als eigenständige Disziplin, analog zur Sportmedizin. Ein derartiges Fachgebiet könnte Musikerinnen und Musikern bereits während ihres Studiums Unterstützung bieten und ihre langfristigen Karriereaussichten verbessern.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren