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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Ihr Filter für das Schlagwort "Musikphysiologie" ergab: 8 Treffer
Zeitschrift 2021
Ausgabe 01 / 2021
Musikphysiologie abstrakter Begriff oder geläufiger Terminus?
Lydia L. Weißert (Essen)
HINTERGRUND: Ein Musikstudium wird
häufig bereits mit physischen und psychischen
Beschwerden begonnen, die sich während des
Studiums potenziell sogar verstärken. Dies wirft ob
der sich immer weiter verbreitenden musikphysiologischen Angebote im Musikhochschulkontext
einige Fragen auf.
ZIEL: Das Ziel der Arbeit war, folgende Fragen
zu beantworten: Ist der Begriff Musikphysiologie
Studierenden geläufig? Können mit diesem Begriff
überschriebene Seminare der Musiker*innengesundheit zugeordnet werden? Welchen Titel muss
ein Seminar tragen, um von Studierenden eindeutig
der Musiker*innengesundheit zugeordnet werden
zu können? Wissen Studierende von musikphysiologischen Angeboten an ihrer Musikhochschule?
METHODE: Die Datenerhebung erfolgte vom
09.06.2020 bis 07.11.2020 per Online-Fragebogen.
Dieser wurde in drei Versandwellen an Studierende
der 24 deutschen Musikhochschulen verteilt. In der
dritten Versandwelle wurde eine Frage ergänzt. Die
Datenauswertung erfolgte via Microsoft Office 365®
Excel, Version 2008. Es wurden keine statistischen
Signifikanzen berechnet.
ERGEBNISSE: Von 457 Studierenden schlossen
80% die Umfrage ab. Zwanzig von 24 Musikhochschulen sind repräsentiert. Vierundfünfzig Prozent
der Teilnehmer*innen können den Begriff Musikphysiologie nicht zuordnen. Musikphysiologie
wird von 50 % mit gesunder und ergonomischer
Haltung beim Musizieren assoziiert, von 25 % mit
den psychischen und mentalen Komponenten des
Musizierens; 24 % müssten sich erst mit dem Begriff
auseinandersetzen, um ihn näher definieren zu
können. Von 127 Teilnehmer*innen, die die hinzugefügte Frage beantworteten, wissen 40 % nicht
sicher, ob es Angebote zur Musiker*innengesundheit an ihrer Musikhochschule gibt.
SCHLUSSFOLGERUNG: Der Begriff Musikphysiologie scheint Studierenden wenig geläufig zu
sein. Eine Sensibilisierung für musikphysiologische
Themen und dazugehörige Termini im Hochschulkontext scheint erforderlich, um zu gewährleisten,
dass erforschte Inhalte die Praxis erreichen.
Zeitschrift 2016
Ausgabe 02 / 2016
Einige Methoden zur Untersuchung des Vibratos bei Cellisten
George P. Moore (Los Angeles) und Jessie Chen (New York)
Das Vibrato ist eine von Streichern ausgeführte
typische Bewegung, durch die sich die Höhe eines
Tons verändert. Die Erzeugung des Vibratos ist
abhängig vom Körperbau des Spielers, von der
jeweiligen Note, die gespielt wird, vom Kontext,
in welchem diese Note innerhalb des Notentextes steht, von der Position des Arms im Raum
und der Armhaltung sowie von der Frequenz und
Amplitude, die der Spieler bestimmt. Es gibt keine
allgemeinen Regeln, wie ein Vibrato zu erzeugen
ist. Das Vibrato zu beherrschen, ist eine Herausforderung und löst des Öfteren bei Schülern und
auch Lehrern Ängste aus. In diesem Artikel stellen wir Methoden zur Untersuchung des Vibratos
bei Cellisten vor. Unsere Ergebnisse demonstrieren Interaktionen zwischen der zeitlichen Koordinierung des Vibratos und Zeitabläufen anderer
Bewegungen.
Zeitschrift 2014
Ausgabe 03 / 2014
Rückschritt mit Fortschritt Musizieren und Alter(n) aus Sicht der Musikermedizin
Maria Schuppert (Würzburg - Kassel)
In den musikermedizinischen Sprechstunden
nehmen die individuellen Beratungen älterer
Musiker zunehmenden Raum ein. Musizieren
und Alter(n) bedeutet sowohl für Berufs- als auch
Laienmusiker eine permanente Auseinandersetzung mit dem individuellen Spannungsfeld von
Möglichkeiten, Einschränkungen und Grenzen. Es
werden typische altersbezogene Veränderungen,
ihre Relevanz für das Musizieren sowie mögliche
Hilfestellungen seitens der Musikphysiologie aufgezeigt. Weiterhin werden die häufigsten gesundheitlichen Beschwerden und Fragestellungen aus der
musikermedizinischen Praxis erörtert.
Prinzipiell können Berufsmusiker eine hervorragende musikalische Leistungsfähigkeit bis ins hohe
Alter hinein behalten. Körperliche oder psychomentale Einschränkungen, mit Auswirkung auf
das Musizieren, erfordern neben den jeweiligen
fachärztlichen Maßnahmen häufig eine problembezogene musikermedizinische Begleitung. Für den
älteren Amateurmusiker bietet das Musizieren(-lernen) wertvolle gesundheitsförderliche und sozial
integrierende Effekte. In individuellen musikermedizinischen Beratungen sollten Möglichkeiten und
eventuelle Einschränkungen deutlich aufgezeigt
und musikphysiologische Hilfestellungen vermittelt werden.
Zeitschrift 2008
Ausgabe 02 / 2008
Teil III: Atmung beim Spiel des Violoncellos
Maria Luise Hahnengress, Aachen
Die Hauptfunktion des respiratorischen Organs
ist der Austausch von Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2). Das Atemorgan kann unterteilt
werden in zwei Kompartimente, die Lunge als
das gasaustauschende Organ und die Atempumpe, d.h. Atemmuskulatur, den knöchernen
Thorax und Teile des zentralen und peripheren
Nervensystems.
Beim Spiel eines Streichinstruments erfolgt die
Atmung nicht unabhängig von den gespielten
Melodien und musikalischen Phrasen. Inspirationen können unbewusst zu musikalisch sinnvollen Zeitpunkten stattfinden, jedoch auch
bewusst geplant werden. Diese Beeinflussung
eines autonomen Prozesses kann während
des Spiels des Instruments zu Veränderungen
respiratorischer Größen führen. Eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit des Atemorgans kann sich aus einer eventuellen Konkurrenz von Atem- und Spielbewegung ergeben.
Möglich ist eine durch die instrumentenspezifischen Bewegungen der oberen Extremität und
des Rumpfes bedingte relative Hypoventilation
der Lunge, die ein Missverhältnis von Ventilation / Perfusion nach sich ziehen kann.
Am Beispiel des Violoncellos werden eine
musikphysiologische Studie und die Kasuistik
eines musikmedizinischen Notfalls vorgestellt.
Das Üben eines Streichinstruments scheint als
Ziel eine Optimierung und die Entwicklung
einer hochspeziellen Koordination all der Vorgänge anzustreben, die sowohl die räumlich
präzise Spielbewegung am und mit dem Musikinstrument als auch die Atembewegung zur
Aufrechterhaltung der inneren Homöostase
ermöglichen.
Zeitschrift 2004
Ausgabe 01 / 2004
DispokinesisFreies Verfügen über Haltung, Atmung, Bewegung und Ausdruck
H. Hildebrandt und A. Müller
Die Dispokinesis ist eine speziell für Musiker
und Bühnenkünstler entwickelte Schulungsund Therapieform. Sie kann sowohl in Pädagogik und Prävention als auch in Therapie und
Rehabilitation eingesetzt werden. Mit ihren sogenannten Urgestalten von Haltung, Atmung
und Bewegung wird die senso- und psychomotorische Entwicklung des Menschen vom Liegen über das Krabbeln bis hin zum Stehen
durchgearbeitet. Dabei werden eventuelle
Entwicklungslücken geschlossen und insbesondere die posturalen Reflexe (Haltungsreflexe, Aufrichtungsreflexe) gefördert. Eine besondere Rolle spielen weiterhin die speziell
entwickelten Übungen zur Instrumental- und
Gesangstechnik sowie die im Umfeld der
Dispokinesis entstandene ergonomischen
Hilfsmittel. Dazu zählen Sitzhilfen für Orchester- und Tasteninstrumente, Kinnhalter und
Schulterstützen für hohe Streichinstrumente
oder Gurte, Daumen- und Kniestützen für
Blas- und Zupfinstrumente. Die instrumentalbzw. gesangstechnische Kompetenz und das
Körper- und Ausdrucksbewusstsein werden
konsequent hinsichtlich der Erfordernisse einer
Bühnensituation ausgebildet.
Zeitschrift 2003
Ausgabe 04 / 2003
Musikmedizin: Musik im Mittelpunkt von Krankheit und Heilung
T. Esch
Musikermedizin, Musikmedizin und Musiktherapie werden fälschlicherweise oft miteinander
verwechselt. Dabei beschäftigt sich die Musikermedizin auf der einen Seite mit Krankheiten
und Beschwerden, welche mit der Musikausübung im Zusammenhang stehen können, und
die Musiktherapie auf der anderen mit therapeutischen Musikeffekten. Solche Effekte
macht sich die moderne Medizin beispielsweise bei der Behandlung psychischer bzw. psychiatrischer Störungen zu Nutze. Der Begriff
‚Musikmedizin’ wird irreführenderweise in beiden Bereichen verwendet, ist aber tendenziell
enger mit der therapeutischen Musikanwendung verbunden. Die Musikphysiologie stellt
die gemeinsame Basis von Musikermedizin
und Musiktherapie (auch: Musical Healing) dar,
hier könnte zukünftig vermehrt eine fruchtbare
synergetische Diskussion und Forschung stattfinden. Musik besitzt ein stressreduzierendes
Potenzial, das beim Musikhören (ÆEntspannungs-Antwort) oder bei der aktiven musikalischen Praxis (ÆFlow-Erfahrung) aktiviert und
ausgenutzt werden kann. Grundsätzlich hat
Musik gleichermaßen heilende bzw. gesundheitsfördernde wie krankmachende Eigenschaften. Daher sind konkrete Auswirkungen
von Musik jeweils von verschiedenen exogenen und endogenen (subjektiven) sowie musikphysiologischen Faktoren abhängig. Die
therapeutischen Möglichkeiten eines Einsatzes
von Musik können eventuell in Folge einer intensiveren und hoch-qualitativen Forschung
noch ausgebaut bzw. Musical Healing in die
reguläre medizinische Versorgung integriert
werden.
Ausgabe 03 / 2003
Teil II: Leistungsphysiologische Prinzipien
M.L. Hahnengress
Die angewandte Physiologie bezeichnet die
Gebiete der Physiologie der beruflichen Arbeit,
des Sports, der Höhe, des Weltraums und
auch der Musik.
Innerhalb dieser Gebiete verfolgt eine arbeitsphysiologische Betrachtungsweise eine Optimierung und Ökonomisierung der Vorgänge
bei körperlicher Aktivität, eine leistungsphysiologische Sicht die Grenzen der Leistungsfähigkeit innerhalb der für die Tätigkeit notwendigen
Organe und Organstrukturen und deren Erreichen.
Die Realisation der vom Notentext assoziierten
Klangvorstellung wird durch Üben angestrebt.
Durch unzählige Repetitionen kann jedoch gerade das Organ Muskulatur einen Engpass
darstellen und die gewünschte klangliche Vorstellung eventuell nicht erreicht werden, was
körperliche Beeinträchtigungen verursachen
kann. Für die Beurteilung der Qualität einer
motorischen Ausführung ist es notwendig, die
fünf muskulären Beanspruchungsformen Koordination, Flexibilität, Schnelligkeit, Kraft und
Ausdauer zu differenzieren.
In der Arbeitswelt des Musikers bestimmt die
Qualität der Koordination die Präzision und die
zeitliche Akkuratesse der zu spielenden Notenfolge. Fingergriffe auf einem Griffbrett, einer
Tastatur, einer Klappen- oder Ventilmechanik
und die Anforderungen an den Thorax bei
Blasinstrumentalisten bedürfen der erforderlichen Flexibilität.
Gespielte Noten werden nur durch die notwendige Schnelligkeit zum Allegro. Nur die adäquate Kraft produziert ein Fortissimo. Ohne
Ausdauer sind die Anforderungen von vier
Stunden Oper nicht durchzuhalten.
Leistungsphysiologische Grundlagen könnten
dazu beitragen, die Vorbereitung musikalischer Anforderungen eventuell risikoärmer zu
strukturieren.
Zeitschrift 2002
Ausgabe 04 / 2002
Teil I: Arbeitsphysiologische Prinzipien
M.L. Hahnengress
Der musikalische Schaffensprozess innerhalb
der klassischen Musik erlaubt eine Teilung in
einen kompositorischen und einen reproduktivinterpretatorischen Prozess. Die bekannt gewordene hohe Inzidenz von Beschwerden und
Erkrankungen bei Musikern kann als Bestätigung betrachtet werden, dass eine kritisch geführte wissenschaftliche Auseinandersetzung
mit den Traditionen des zweiten Teil des künstlerischen Prozesses innerhalb der letzten
Jahrzehnte vernachlässigt wurde.
Die Fokussierung auf das klangliche Endergebnis, die Negierung der eigenen physischen
Aktivität und die mangelnde Deklarationsfähigkeit unterstützt bei Musikern die Ausprägung
eines körperfernen Selbstbildnisses. Durch die
jahrelange Beschäftigung mit dem Instrument
können sich körperliche Selbstverständlichkeiten ausbilden, die nicht artikuliert werden können und sich somit der näheren objektiven Betrachtung entziehen.
Arbeitsphysiologische Grundlagen als Hintergrundwissen können zu einem näheren Verständnis des psychophysischen Prozesses
“Musizieren“ beitragen und zudem eine Basis
ermöglichen für die Ursachenforschung von
körperlichen Beeinträchtigungen beim Spiel eines Musikinstruments und deren Prävention.
Weiterhin könnten sie helfen, eine zukünftige
Balance zwischen den beiden Aspekten des
kreativ-musikalischen Prozesses innerhalb der
universitären Ausbildung zu ermöglichen.
Arbeitsphysiologie ist eine Optimierungswissenschaft. Sie verfolgt das Ziel, durch eine
bessere Anpassung der Arbeit an den Menschen und die damit verbundene bessere Anpassungsmöglichkeit des Menschen an die Arbeit, Arbeitsplätze zu humanisieren. Themen
wie Ermüdung, Erholung und Schädigung bei
der Arbeit werden behandelt.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren