DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

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Zeitschrift 2008

Ausgabe 02 / 2008

Abstract

Teil III: Atmung beim Spiel des Violoncellos

Maria Luise Hahnengress, Aachen

Die Hauptfunktion des respiratorischen Organs
ist der Austausch von Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2). Das Atemorgan kann unterteilt
werden in zwei Kompartimente, die Lunge als
das gasaustauschende Organ und die Atempumpe, d.h. Atemmuskulatur, den knöchernen
Thorax und Teile des zentralen und peripheren
Nervensystems.
Beim Spiel eines Streichinstruments erfolgt die
Atmung nicht unabhängig von den gespielten
Melodien und musikalischen Phrasen. Inspirationen können unbewusst zu musikalisch sinnvollen Zeitpunkten stattfinden, jedoch auch
bewusst geplant werden. Diese Beeinflussung
eines autonomen Prozesses kann während
des Spiels des Instruments zu Veränderungen
respiratorischer Größen führen. Eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit des Atemorgans kann sich aus einer eventuellen Konkurrenz von Atem- und Spielbewegung ergeben.
Möglich ist eine durch die instrumentenspezifischen Bewegungen der oberen Extremität und
des Rumpfes bedingte relative Hypoventilation
der Lunge, die ein Missverhältnis von Ventilation / Perfusion nach sich ziehen kann.
Am Beispiel des Violoncellos werden eine
musikphysiologische Studie und die Kasuistik
eines musikmedizinischen Notfalls vorgestellt.
Das Üben eines Streichinstruments scheint als
Ziel eine Optimierung und die Entwicklung
einer hochspeziellen Koordination all der Vorgänge anzustreben, die sowohl die räumlich
präzise Spielbewegung am und mit dem Musikinstrument als auch die Atembewegung zur
Aufrechterhaltung der inneren Homöostase
ermöglichen.

Zeitschrift 2003

Ausgabe 04 / 2003

Abstract

Musikmedizin: Musik im Mittelpunkt von Krankheit und Heilung

T. Esch

Musikermedizin, Musikmedizin und Musiktherapie werden fälschlicherweise oft miteinander
verwechselt. Dabei beschäftigt sich die Musikermedizin auf der einen Seite mit Krankheiten
und Beschwerden, welche mit der Musikausübung im Zusammenhang stehen können, und
die Musiktherapie auf der anderen mit therapeutischen Musikeffekten. Solche Effekte
macht sich die moderne Medizin beispielsweise bei der Behandlung psychischer bzw. psychiatrischer Störungen zu Nutze. Der Begriff
‚Musikmedizin’ wird irreführenderweise in beiden Bereichen verwendet, ist aber tendenziell
enger mit der therapeutischen Musikanwendung verbunden. Die Musikphysiologie stellt
die gemeinsame Basis von Musikermedizin
und Musiktherapie (auch: Musical Healing) dar,
hier könnte zukünftig vermehrt eine fruchtbare
synergetische Diskussion und Forschung stattfinden. Musik besitzt ein stressreduzierendes
Potenzial, das beim Musikhören (ÆEntspannungs-Antwort) oder bei der aktiven musikalischen Praxis (ÆFlow-Erfahrung) aktiviert und
ausgenutzt werden kann. Grundsätzlich hat
Musik gleichermaßen heilende bzw. gesundheitsfördernde wie krankmachende Eigenschaften. Daher sind konkrete Auswirkungen
von Musik jeweils von verschiedenen exogenen und endogenen (subjektiven) sowie musikphysiologischen Faktoren abhängig. Die
therapeutischen Möglichkeiten eines Einsatzes
von Musik können eventuell in Folge einer intensiveren und hoch-qualitativen Forschung
noch ausgebaut bzw. Musical Healing in die
reguläre medizinische Versorgung integriert
werden.

Ausgabe 03 / 2003

Abstract

Teil II: Leistungsphysiologische Prinzipien

M.L. Hahnengress

Die angewandte Physiologie bezeichnet die
Gebiete der Physiologie der beruflichen Arbeit,
des Sports, der Höhe, des Weltraums und
auch der Musik.
Innerhalb dieser Gebiete verfolgt eine arbeitsphysiologische Betrachtungsweise eine Optimierung und Ökonomisierung der Vorgänge
bei körperlicher Aktivität, eine leistungsphysiologische Sicht die Grenzen der Leistungsfähigkeit innerhalb der für die Tätigkeit notwendigen
Organe und Organstrukturen und deren Erreichen.
Die Realisation der vom Notentext assoziierten
Klangvorstellung wird durch Üben angestrebt.
Durch unzählige Repetitionen kann jedoch gerade das Organ Muskulatur einen Engpass
darstellen und die gewünschte klangliche Vorstellung eventuell nicht erreicht werden, was
körperliche Beeinträchtigungen verursachen
kann. Für die Beurteilung der Qualität einer
motorischen Ausführung ist es notwendig, die
fünf muskulären Beanspruchungsformen Koordination, Flexibilität, Schnelligkeit, Kraft und
Ausdauer zu differenzieren.
In der Arbeitswelt des Musikers bestimmt die
Qualität der Koordination die Präzision und die
zeitliche Akkuratesse der zu spielenden Notenfolge. Fingergriffe auf einem Griffbrett, einer
Tastatur, einer Klappen- oder Ventilmechanik
und die Anforderungen an den Thorax bei
Blasinstrumentalisten bedürfen der erforderlichen Flexibilität.
Gespielte Noten werden nur durch die notwendige Schnelligkeit zum Allegro. Nur die adäquate Kraft produziert ein Fortissimo. Ohne
Ausdauer sind die Anforderungen von vier
Stunden Oper nicht durchzuhalten.
Leistungsphysiologische Grundlagen könnten
dazu beitragen, die Vorbereitung musikalischer Anforderungen eventuell risikoärmer zu
strukturieren.

Ausgabe 02 / 2003

Abstract

Chirurgie der Hand bei Musikern mit Rheumatoider Arthritis

N. Ell

Die Rheumatoide Arthritis („RA“) ist eine entzündliche Erkrankung, basierend auf einer Antigen-Antikörper-Reaktion mit körpereigenen
Substanzen. Sowohl in Frühstadien wie Spätstadien an der Hand können handchirurgische
Maßnahmen erforderlich werden. Bei der Behandlung von Musikern sind neben guten
handchirurgischen Kenntnissen auch Erfahrungen in der chirurgischen Behandlung des
Rheumas und auch besonders Kenntnisse der
Spieltechniken an einzelnen Instrumenten erforderlich. Die Veränderungen der Hand in frühen und späten Stadien dieser Erkrankung
und deren Auswirkung auf den Musiker werden kurz dargestellt.
Danach richten sich die Indikation zur Operation, die Auswahl der richtigen Operationsmethode sowie genaue präoperative Überlegungen über Detailfragen. Die Wahl des operativen Vorgehens ist häufig abhängig von dem
gespielten Instrument und kann zwischen
rechter und linker Hand unterschiedlich sein,
manchmal sogar von einem Finger zum nächsten. Wenn es irgendwie möglich ist, sollten die
erwarteten Resultate einer Operation präoperativ durch Anpassen von statischen oder dynamischen Schienen simuliert werden.

Zeitschrift 2002

Ausgabe 04 / 2002

Abstract

Teil I: Arbeitsphysiologische Prinzipien

M.L. Hahnengress

Der musikalische Schaffensprozess innerhalb
der klassischen Musik erlaubt eine Teilung in
einen kompositorischen und einen reproduktivinterpretatorischen Prozess. Die bekannt gewordene hohe Inzidenz von Beschwerden und
Erkrankungen bei Musikern kann als Bestätigung betrachtet werden, dass eine kritisch geführte wissenschaftliche Auseinandersetzung
mit den Traditionen des zweiten Teil des künstlerischen Prozesses innerhalb der letzten
Jahrzehnte vernachlässigt wurde.
Die Fokussierung auf das klangliche Endergebnis, die Negierung der eigenen physischen
Aktivität und die mangelnde Deklarationsfähigkeit unterstützt bei Musikern die Ausprägung
eines körperfernen Selbstbildnisses. Durch die
jahrelange Beschäftigung mit dem Instrument
können sich körperliche Selbstverständlichkeiten ausbilden, die nicht artikuliert werden können und sich somit der näheren objektiven Betrachtung entziehen.
Arbeitsphysiologische Grundlagen als Hintergrundwissen können zu einem näheren Verständnis des psychophysischen Prozesses
“Musizieren“ beitragen und zudem eine Basis
ermöglichen für die Ursachenforschung von
körperlichen Beeinträchtigungen beim Spiel eines Musikinstruments und deren Prävention.
Weiterhin könnten sie helfen, eine zukünftige
Balance zwischen den beiden Aspekten des
kreativ-musikalischen Prozesses innerhalb der
universitären Ausbildung zu ermöglichen.
Arbeitsphysiologie ist eine Optimierungswissenschaft. Sie verfolgt das Ziel, durch eine
bessere Anpassung der Arbeit an den Menschen und die damit verbundene bessere Anpassungsmöglichkeit des Menschen an die Arbeit, Arbeitsplätze zu humanisieren. Themen
wie Ermüdung, Erholung und Schädigung bei
der Arbeit werden behandelt.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren