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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
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Zeitschrift 2026
Ausgabe 01 / 2026
Die Angst vor Musikauftritten: Der Zusammenhang von Expositionstherapie in virtueller Realität, subjektivem Angsterleben und Herzratenvariabilität
Katja Schröder
Theorie: Auftrittsangst beim Musizieren (engl. Music Perfomance Anxiety, MPA) äußert sich als anhaltende starke Befürchtung, dass Musikaufführungen zu negativer Bewertung und Misserfolg führen. Gekennzeichnet ist MPA durch kognitive Symptome (z. B. Zweifel an eigener musikalischer Leistung), affektive Symptome (z. B. Angst oder Panik) und körperliche Symptome (z. B. Zittern, Herzrasen, Schwitzen oder Atembeschwerden). Infolgedessen kann es zu Einbußen in der Leistungsfähigkeit oder Verhaltensänderungen (z. B. Vermeidung, Medikamenteneinnahme, Aufgabe der musikalischen Karriere) kommen. In Deutschland kann MPA gemäß ICD-10 als spezifische Phobie (F40.2) diagnostiziert werden. Etwa ein Viertel aller Musizierenden berichtet von schweren Problemen im Zusammenhang mit MPA, was die MPA hoch relevant für die klinische Forschung macht und die Notwendigkeit wirksamer therapeutischer Interventionen unterstreicht. Die vorliegende Arbeit ist Teil einer Therapiestudie von Herrmann, Bellinger et al. am Zentrum für Psychische Gesundheit der Universitätsklinik Würzburg. Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen einer virtuellen Expositionstherapie (engl. Virtual Reality Exposure Therapy, VRET) auf das Angstniveau in der musikalischen Auftrittssituation und die Herzratenvariabilität der Musizierenden zu untersuchen.
Methoden: Die Stichprobe bestand aus 35 Musizierenden, darunter Musikhochschulstudierende, Amateurmusikerinnen/-musiker und Berufsmusikerinnen/-musiker. Es wurde ein randomisiert-kontrolliertes Messwiederholungsdesign verwendet, um das allgemeine Angstniveau in der Auftrittssituation (gemessen anhand der Subjective Units of Discomfort; SUD), die Herzratenvariabilität (HRV) sowie die Zufriedenheit und eigene Bewertung der musikalischen Leistung auszuwerten. Erhoben wurden diese Messungen während eines virtuellen Auftrittsszenarios sowohl vor der Intervention als auch drei Wochen nach der Intervention. Die Versuchsgruppe erhielt vier Einheiten einer VRET, als Kontrollbedingung diente vier Einheiten eines Trainings in Progressiver Muskelrelaxation (PMR). Ergebnisse: Die Daten deuten darauf hin, dass VRET wirksamer darin ist, das subjektive Angstniveau in der Auftrittssituation zu senken als die Kontrollbedingung PMR. VRET führte außerdem zu einer höheren eigenen Zufriedenheit mit der musikalischen Darbietung. Bezüglich der Herzratenvariabilität und der Bewertung der eigenen musikalischen Leistung konnten keine signifikanten Effekte festgestellt werden.
Diskussion: VRET scheint ein vielversprechendes Instrument zur Behandlung von MPA in unterschiedlichen Kontexten zu sein. Eine negative Korrelation zwischen subjektiver Angst und Herzratenvariabilität weist auf einen Zusammenhang zwischen dem autonomen Nervensystem und dem erlebten psychischen Stress hin. Die Auswertung weiterer im Rahmen der Studie erhobener Parameter sowie zukünftige Untersuchungen mit einer größeren Stichprobe erscheinen zur besseren Einordnung erforderlich.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren