DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

Zeitschrift 2007

Ausgabe 02 / 2007

Abstract

Musik im Kopf - Individuelle Unterschiede in der Klangwahrnehmung und das zerebrale Sinfonieorchester

P. Schneider, M. Andermann, D. Engelmann, R. Schneider, A. Rupp, Heidelberg

Musikphysiologie und Musikermedizin 2007, 14. Jg., Nr. 2 & 3 35 Musik im Kopf Individuelle Unterschiede in der Klangwahrnehmung und das zerebrale Sinfonieorchester P. Schneider, M. Andermann, D. Engelmann, R. Schneider, A. Rupp, Heidelberg Abstrakt Die Tonhöhe von harmonisch komplexen Tönen, z.B. Instrumentaltönen, unterscheidet sich teilweise stark, wenn derselbe Ton unterschiedlichen Hörern vorgespielt wird. Manche Hörer erkennen dabei eher den Grundton eines Klanges (die Periodizitätstonhöhe), andere eher einzelne Obertöne. Wie ein Ton wahrgenommen wird, hängt offenbar von Strukturen im Großhirn ab: Wer eher Obertöne bevorzugt, hat mehr graue Nervenzellsubstanz im „Hörzentrum“ der rechten Großhirnrinde, der sogenannten Heschlschen Querwindung. Wer stärker den Grundton hört, weist diese Besonderheit in der linken Hirnhälfte auf.

Abstract

Macht Musik schlau? - Zu den neuronalen Auswirkungen musikalischen Lernens im Kindes- und Jugendalter

Eckart Altenmüller, Hannover

Fast wöchentlich wird in den Medien über die
wundervollen Auswirkungen von Musik auf das
Gehirn und auf die Intelligenz berichtet. Gegenstand dieses Übersichtsartikels ist eine
kritische Sichtung der Befunde, insbesondere
in Hinblick auf die Transfer-Wirkung von Musik.
Musizieren gehört zu den schwierigsten
menschlichen Leistungen. Gehörsinn, Motorik,
Körperwahrnehmung und Hirnzentren, die
Emotionen verarbeiten werden gleichzeitig
beansprucht. Allein für die Verarbeitung der
beim Hören entstehenden Eindrücke benötigen
wir ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen. Die
Sensomotorik beim Musizieren muss Höchstleistungen an räumlich-zeitlicher Präzision
erbringen. Durch zähes Üben werden über
Jahre komplizierte feinmotorische Steuerprogramme erstellt, die dann genau im richtigen
Moment abgerufen werden müssen. Jahrelanges Training führt zu charakteristischen Anpassungsvorgängen der Gehirnvernetzung und
sogar der Gehirnstruktur. Eine Verbesserung
allgemeiner Denkfertigkeiten durch diese Prozesse findet nach neuen Befunden allerdings
nicht statt. Möglicherweise wirkt Musizieren im
Kindes- und Jugendalter positiv auf emotionale
Kompetenzen und das Sozialverhalten. Allerdings sind die Auswirkungen des Musizierens
auf diese Dimensionen der Persönlichkeit bislang nicht ausreichend erforscht. Am Ende des
Artikels werden relevante Forschungsfragen
formuliert.

Abstract

Plattfuss und Overuse: Fünf Jahre Musiker - Medizinische Beratung an der Musikschule Reutlingen

D. Wörz-Bilfinger, Hechingen

Die Musikschule Reutlingen richtete als erste
deutsche Musikschule 2001 für SchülerInnen
und Lehrkörper eine MusikerMedizinische Beratungsstelle (MMB) bei Spielproblemen ein. In
der Sprechstunde sollten die Ursachen von
medizinischen Beschwerden erfasst und individuell angepasste Therapiemöglichkeiten vorgeschlagen werden.
Fragestellung: In der vorliegenden Übersichtsarbeit soll die Frage behandelt werden, ob es
Unterschied gibt in Bezug auf Ursache und
Therapie medizinischer Beschwerden bei musizierenden Kindern und Jugendlichen einerseits
und Erwachsenen andererseits. Darüber hinaus soll die Frage geklärt werden, ob ein beschwerdebedingter Abbruch des Instrumentalunterrichts durch die MBB verhindert werden
kann.
Methodik: Kinder und Jugendliche wurden in
der MMB, vorzugsweise jedoch im häuslichen
Ambiente befragt und untersucht. Die Untersuchung umfasste die eingehende Problemschilderung, medizinische Anamnese, Instrumentalbiographie und Berechnung der Handbelastung.
Danach erfolgte eine ausführliche Spielbeobachtung mit Videodokumentation und ein Gespräch, in dem die Ursachen der Beschwerden
erklärt und individuell angepasste Therapiewege empfohlen wurden.
Ergebnisse: In den letzten 5 Jahren wurden
293 Personen beraten. Ein Drittel (n= 104) waren Kinder und Jugendliche bis zum 16.Lj. Im
Gegensatz zu Erwachsenen, entwickeln sich
Spielbeschwerden bei Kindern und Jugendlichen meist nicht durch das Instrumentalspiel.
Häufig führen primär körperliche Ursachen zu
Spielproblemen. Diese Ursachen lassen sich oft
relativ leicht beheben. Meist besteht keine Notwendigkeit, den Instrumentalunterricht wegen
Spielbeschwerden zu beenden.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse sprechen
dafür, generell eine MMB an Musikschulen zu
etablieren.

Abstract

Hörbelastung und Gehörschutz bei Orchestermusikern

B. Richter, M. Zander und C. Spahn, Freiburg

Die Beschäftigung mit dem Thema Gehörschutz für Musiker ist aktuell und notwendig,
da die neue EG-Arbeitsschutzrichtlinie „Lärm“
2003/10/EG seit März 2007 in die Lärm- und
Vibrations-Arbeitschutzverordnung umgesetzt
ist und die Übergangsfrist für den Musiksektor
am 15.02.2008 ausläuft.
Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit
und Soziales führten wir eine Untersuchung
bei 429 Orchestermusikern aus 9 professionellen Orchestern in Deutschland durch mit dem
Ziel, den aktuellen Stand der Information und
Praxis zum Thema Hörgefährdung und Gehörschutz in deutschen Orchestern zu erheben.
Als wichtigste Konsequenz unserer Untersuchung wurde deutlich, dass bei den Orchestermusikern ein großer Informationsbedarf
besteht, der qualifiziert gestillt werden muss.
Eine sinnvolle Handhabung der Lärmschutzrichtlinie ist u.E. nur im gemeinsamen Engagement von Dirigenten, Verwaltung und Orchestermusikern möglich. Jede Seite sollte
ihren Part hierbei übernehmen.

Abstract

Aspen 2007 - ein Kongressbericht vom 25. Symposium Medical Problems of Performing Artists (21. - 24. Juni 2007)

Angela Gebler (Augsburg), Anke Steinmetz (Berlin)

A. Gebler & A. Steinmetz – Aspen 2007 Aspen 2007, ein Kongressbericht vom 25. Symposium Medical Problems of Performing Artists (21.,24. Juni 2007) Angela Gebler (Augsburg), Anke Steinmetz (Berlin) Atmosphärisches Schon am Ankunftsabend in der heimeligen, kleinen und überschaubaren Stadt (sie liegt auf etwa 2700 m Meereshöhe) begegnet man überall auf der Strasse den verschiedensten Ensembles junger Musiker, die zur Aspen Music School angereist sind und schon seit mehreren Tagen proben. Hier trafen wir bei herrlichem Sommerwetter auch bereits die ersten Kollegen aus den USA oder Australien, die wir von früheren Kongressen kannten. Am nächsten Tag war morgens Kongresseröffnung (jedes Jahr sind etwa 110 Teilnehmer angemeldet), abends fand gleichzeitig die Festival-Eröffnung durch das Emerson String Quartett im großen Zelt statt. Die Teilnahme am Kongress beinhaltet kostenlose Konzertkarten für die erste Woche des Festivals.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren