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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2000
Ausgabe 04 / 2000
Physiologie und Pathologie der Hand des Musikers
J. Blum
Musiker sind anspruchsvolle Handpatienten. Hoher Erwartungsdruck an den Handchirurgen und
prinzipielle Abneigung gegenüber jeglichen operativen Eingriffen an der Hand erschweren die
Arzt-Patient-Beziehung. Kenntnisse der spezifischen Anforderungen an die Hand des Musikers
unter dem Hintergrund musikphysiologischer und
instrumentaltechnischer Grundlagen erleichtern
sowohl Anamnese, Untersuchung, Diagnostik,
wie auch Therapiewahl.
Erkrankungen der Hand finden sich abgesehen
von Tendinosen und Tendovaginitiden bei Musikern nicht wesentlich gehäuft im Vergleich zur
Gesamtbevölkerung. Dennoch bekommen eine
Reihe von Krankheitsbildern durch die besonderen beruflichen Anforderungen einen wesentlich
brisanteren Stellenwert. Dies betrifft vor allem
periphere Nervenkompressionssyndrome, Arthrosen, Ganglien, Kontrakturen, Hypermobilitätssyndrome und die Fokale Dystonie.
Die Behandlung dieser Erkrankungen, wie auch
von Verletzungsfolgen, erfordert neben maximalen handchirurgischen Therapieanstrengungen
Kreativität und die Einbeziehung des musikalischen Berufsumfeldes, bis hin zu den Musikinstrumenten selbst, in die Therapie und Rehabilitation. Die Entscheidung zum operativen Eingreifen
kann in bestimmten Fällen eher Zurückhaltung
erfordern, dennoch gibt es eindeutig Situationen,
in denen der Berufsmusiker früher einem handchirurgischen Eingriff zugeführt werden sollte, um
eine rasche Rückkehr ans Instrument unter dem
Gesichtspunkt labiler und übintensiver feinmotorischer Bewegungskonzepte zu ermöglichen.
Schlüsselworte
Musiker – Musikphysiologie – Musikermedizin
Lampenfieber unter Musikstudenten: Häufigkeit, Ausprägung und "heimliche Theorien"
I. Krawehl und E. Altenmüller
Eine repräsentative Stichprobe von 40 Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Hannover wurde zum Thema Lampenfieber befragt.
38% der Studierenden gaben an, immer, 60%
manchmal unter Lampenfieber zu leiden. 30%
empfanden Lampenfieber immer, 60% manchmal
störend. Dabei trat Lampenfieber nicht nur beim
öffentlichen Vorspiel sondern bei 30% der Studenten auch in Unterrichtssituationen auf. Studenten der Studiengänge „Künstlerische Ausbildung“ und „Musikerziehung“ empfanden Lampenfieber als störender als Studenten des Studienganges „Schulmusik“. Als Maßnahmen gegen
Lampenfieber wurden mit 43% am häufigsten
„Entspannungsübungen“ eingesetzt. Am zweithäufigsten (38%) wurden aber keine Maßnahmen
ergriffen, obwohl einige der Antwortenden unter
starkem Lampenfieber litten. Befragt zu den
„heimlichen Theorien“ lehnten die meisten Studierenden psychoanalytische Erklärungsmodelle
ab. Breitere Zustimmung erhielten Aussagen, die
den Umgang mit Lampenfieber als „erlernbar“
darstellten. Beim Vergleich der Ergebnisse mit
denen einer früheren Umfrage von 1982 zeigte es
sich, daß die „heimlichen Theorien“ zu den Ursachen und zum Umgang mit Lampenfieber im wesentlichen unverändert sind. Zusammenfassend
ergibt sich, dass an Musikhochschulen nach wie
vor ein erheblicher Aufklärungsbedarf zum Thema
Lampenfieber und zu diesbezüglichen präventiven und therapeutischen Möglichkeiten besteht.
Zu fordern sind praktische Kurse mit Einzelunterricht (Coaching) mit dem Ziel eines kreativen Umganges mit Lampenfieber.
Was träumen Musiker? Können wir mit Hilfe der neurobiologischen Traumforschung Musiker besser verstehen?
H. Möller
Das Verständnis über die Psychologie des
Traums ist in diesem Jahrhundert wesentlich
durch S. Freund geprägt worden. Die Forschungen aus den letzten 2 Jahrzehnten haben manche Annahmen über die Traumentstehung und
die Bedeutung von Träumen verändert.
Ergebnisse aus der psychoanalytischen und neurobiologischen Forschung von Träumen lassen
den Schluss zu, dass vor allem Träume in der
REM-Phase von großer Bedeutung für unser
Selbstwertgefühl sind, und dass Träume überwiegend der Lösung emotional bedeutender und
konfliktträchtiger Ereignisse des Wachlebens
dienen.
Diese Forschungsergebnisse dienen als Ausgangspunkt für eine empirische Beschäftigung
mit den Träumen von Musikern. Ihr Datenmaterial
ermöglicht aufzuzeigen:
Dass Träume bei Musikern eine wichtige Quelle
zur Diagnostik von unbewußten Ich-Zuständen
und Entwicklungstendenzen darstellen, mit deren
Hilfe herausgefunden werden kann, was sich
hinter der Fassade oftmals komplizierter körperlicher oder psychischer Symptome verbirgt, dass
Träume von Musikern uns darüber Auskunft geben, mit welchen individuellen, persönlichen Konflikten und welchen existentiellen und beruflichen
Lebensthemen sie sich während des Schlafs
auseinandersetzen.
Zur Gründung des Instituts für Musikmedizin an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" Dresden
U. Reinhardt
Musikphysiologie und Musikermedizin 2000, 7. Jg., Nr. 4 179 Musikermedizin Musikmedizin,Medizin für Musiker. Zur Gründung des Instituts für Musikmedizin an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden U. Reinhardt, Dresden Mit Beginn des Wintersemesters 2000/2001 nahm an der Dresdner Musikhochschule das Institut für Musikmedizin seine Arbeit auf. Es stellte sich am 11.11.2000 mit einem wissenschaftlichen Symposium erstmals der Öffentlichkeit vor. Programmatisch für die interdisziplinäre Konzeption des Instituts referierten namhafte Musiker, Ärzte, Pädagogen und Wissenschaftler zur Thematik „Lampenfieber und Bühnenangst“. Die Vorträge offenbarten teilweise sehr unterschiedliche Sichtweisen positiver und negativer Auswirkungen des Lampenfiebers und boten den Hörern besonders bei der Frage der Bewältigungsmöglichkeiten spannungsvolle Kontroversen und erfrischende Selbstbekenntnisse.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren