DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

Zeitschrift 2004

Ausgabe 04 / 2004

Abstract

Zur Gehörgefährdung durch Heavy Metal-Musik und Klassische Musik im Vergleich zu Industrielärm

H. Strasser, H. Irle und R. Scholz

Gegenüber „Weißem Rauschen“ führte eine
gleiche akustische Belastung von 94 dB(A)
über 1 Stunde durch Industrielärm zu etwas
höheren Vertäubungen und zu etwas längeren
Restitutionszeiten, die an 10 otologisch unauffälligen Probanden gemessen wurden. Typische energie-äquivalente Heavy Metal-Musik
unterschied sich von Industrielärm weder in
den maximalen Vertäubungen und den Restitutionszeiten, noch in der Summe aller, nach
der akustischen Belastung gemessenen Vertäubungen, den Integrated Restitution Temporary Threshold Shifts (den IRTTS-Werten). Die
IRTTS-Werte als globale Indikatoren der Gehörgefährdung beliefen sich nach klassischer
Musik jedoch lediglich auf etwa 25% der Werte
für Heavy Metal-Musik und Industrielärm.
Schlüsselworte
Musik- und Lärmexpositionen • Audiometrie •
Hörschwellenverschiebungen

Abstract

Fingerkuppenverformung am Tasten-instrument – Hochgeschwindigkeits- aufnahmen an Klavier und Clavichord

R. Möller

Die notwendige Kompression, die ein Mechanosensor erfahren muß, um ein Signal in Richtung Zentralnervensystem abzufeuern, liegt im
Bereich von einigen µm. Um das Ausmaß der
Fingerkuppenverformung, die diese Signale
herbeiführt, beim Klavierspiel zu bestimmen,
wurde die Bewegung der rechten Mittelfingerkuppe auf der Taste mit einer Hochgeschwindigkeitskamera bei gleichmäßigen Trillerbewegungen von 2. und 3. Finger beobachtet. Tastenbewegungen bei einer Lautstärke im mf
Bereich flachten bei Proband A die Fingerkuppe um 1 bis 2 mm ab, bei Proband B waren es
1 bis 1,75 mm.
Im Gegensatz dazu führten entsprechende
Trillerbewegungen beider Probanden am Clavichord nur zu einer Abflachung von 0,6 bis 1
mm.
Die Funktionen der vier bedeutendsten Mechanosensoren der Finger Meissner-ZellAxonkomplex (RA Sensor), Merkel-ZellAxonkomplex (SA I Sensor), Ruffini Kolben
(SA II Sensor) und Vater-Pacini-Körperchen
(Vibrations- und Beschleunigungs-Sensor)
werden diskutiert und die mögliche Vulnerabilität des SA I Sensors herausgestellt.
Abschließend wird mit dem Ziel der Prävention
von Spielschäden dafür plädiert, das Clavichord als erstes Tasteninstrument im frühen
Klavierunterricht und darüber hinaus weiterführend auch in der Musikhochschule einzusetzen.

Abstract

Von schiefen Geigern und zusammengeknautschten Handtüchern

K. Apostolidis

Der Beitrag thematisiert das Problem des kindlichen Beckenschiefstands, der bisher oft noch
nicht ernst genommen und als mögliches ursächliches Problem von Beschwerden und
Schmerzen in ganz anderen Körperregionen
schon bei den Violinschülern, späteren Krankheiten oder vorzeitiger Berufsunfähigkeit bei
Profi-Musikern, rechtzeitig schon im Kindesalter behandelt wird. Nach einer Beschreibung
des Beckenschiefstands mit Unterscheidung
der anatomischen und funktionellen Beinlängendifferenz werden die möglichen Folgeschäden und die Auswirkungen im übrigen
Körper sowie im Violinunterricht mit Kindern erläutert. Es werden einfache Diagnose-Tests
gezeigt zur Erkennung eines möglichen Beckenschiefstands, die jeder Instrumentalpädagoge erlernen und im Unterricht anwenden
kann, sowie eine vorbeugende prophylaktische
Übung für die Kinder. Am Schluss wird für interessierte Pädagogen auf Therapie- und weiterführende Fortbildungsmöglichkeiten sowie auf
vertiefende Literatur hingewiesen. Der Artikel
erläutert Querverbindungen und fachübergreifende Zusammenhänge und ist ein Plädoyer
für ganzheitliches Denken auch als Violinlehrer
und Zusammenarbeit der verschiedensten
Fachrichtungen, damit der Violinunterricht und
Therapien langfristig gesehen nicht mehr
Schaden als Nutzen anrichten und der Schüler
beschwerdefrei spielen kann.
Schlüsselworte
Beckenschiefstand, Beinlängendifferenz,
Schmerzprävention, Geigenhaltung, Geigenunterricht

Abstract

Intraorale Druckentwicklung bei Holz- und Blechbläsern

B. Schwab, A. Schultze-Florey

Einleitung: In der Literatur existieren praktisch
keine detaillierten Angaben zu den während
der Musikausübung entstehenden Drücken im
Oropharynx-Bereich. In der vorliegenden Studie wurde eine differenzierte Bestimmung der
Druckspitzen, des mittleren Druckes sowie der
maximal erzielbaren Druckwerte durchgeführt.
Material und Methoden: Bei 148 Musikern
(Profis eines Staatsorchesters und Schüler/Studenten hauptsächlich aus einem Landesjugendorchester) wurden intraorale Druckmessungen unter variierten Bedingungen
(Tonhöhe, Lautstärke) durchgeführt. Die Messungen erfolgten sowohl an einem analogen
Manometer (Spannweitenmessungen) sowie
mittels digitalem Manometer (Minimal- und
Maximaldruckwerte). Ergebnisse: Die geringsten Drücke wurden bei der Querflöte und der
Piccolo-Querflöte gemessen (entsprechend
dem Druckniveau der normalen Sprache).
Höchste mittlere Drücke erzielen Oboe (30-48
mm Hg) und Klarinette (20-34 mm Hg), wobei
hier gerade auch der minimal erforderliche Anblasdruck sehr hoch liegt (28 bzw. 16 mm Hg).
Bei den Blechbläsern liegen die Anblasdrücke
allesamt niedriger als 10 mm Hg auch wenn
gerade in dieser Instrumentengruppe die
höchsten Maximaldrücke gemessen wurden
(Mittelwerte: Trompete 134 mm Hg und Piccolo-Trompete 170 mm Hg). Diskussion: Die
von uns gemessenen Druckwerte unterscheiden sich z.T. deutlich von den Werten, die bislang publiziert wurden. Allerdings existieren
bisher lediglich Maximaldruck-Messungen und
keine detaillierten Messungen unter variierten
Bedingungen. Die vorliegende Untersuchung
legt hierzu umfassende Messreihen vor.
Schlussfolgerungen: Bei Betrachtung der
beim Spiel auf Blasinstrumenten erzielbaren
intraoralen Drücke spielen nicht nur Maximaldruckwerte eine Rolle, sondern auch – oder
sogar in erster Linie – die minimal erforderlichen Anblasdrücke und die Bandbreite der erzielten Drücke während des normalen Spiels.
Gerade in der Dauerbelastung liegt das
Hauptproblem für den menschlichen Organismus.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren