DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

Zeitschrift 2015

Ausgabe 01 / 2015

Abstract

Physische Belastungen bei Geigern sowie deren Auswirkungen auf den Bewegungsapparat

Sophie Katharina Hüwe und Jens-Martin Träder (Lübeck)

In dieser Studie wurden 119 Geiger unterschiedlichen Könnens und unterschiedlichen Alters mit
Hilfe eines Fragebogens u. a. zu Spielbeginn, Übegewohnheiten, Schmerzen und Spielausfall befragt.
Anschließend wurden an den oberen Extremitäten
Längenmaße und Bewegungsradien erhoben sowie
Schmerzscores abgefragt. Abschließend wurde
jeder Proband beim Geigenspiel videografisch festgehalten. Die Studie brachte folgende Erkenntnisse:
• Täglich lange spielende Geiger hatten mehr
Spielausfall und Schmerzen als wenig spielende
Geiger, wobei Spielausfall und Schmerzen
meistens nicht miteinander korrelieren.
• Der Spielausfall nahm im Alter eher ab.
• Die Schmerzprävalenz war in dieser
Studie niedriger als in anderen Studien.
• Schmerzen traten bei beiden
Geschlechtern gleich häufig auf.
• Im Gegensatz zu den Ergebnissen in anderen
Studien, konnte bei den Männern bei den
Bewegungsradien insgesamt eine höhere
Beweglichkeit konstatiert werden.
• Schmerzen traten proximal signifikant häufiger
auf als distal, auf der linken Seite lagen sie nicht
signifikant häufiger vor als auf der rechten.
• Probanden mit übermäßiger Gelenkbeweglichkeit hatten nicht signifikant mehr
Spielausfall als die Probanden mit normaler oder verminderter Beweglichkeit.
• Ein erhöhtes Risiko für Spielausfall hatten
Probanden mit einer Verkürzung des linken
Kleinfingers, mit einer Verminderung der
Schulterabduktion links, mit eingeschränkter Beweglichkeit der Palmarflexion links
sowie mit einer übermäßigen Beweglichkeit der Handgelenks-Extension rechts.
• Stretching zur Schmerzprophylaxe
hatte keinen nachweislichen Effekt auf
die untersuchten Zielparameter.
• Vermehrtes Einspielen führte
nicht zu mehr Beweglichkeit und
nicht zu weniger Schmerzen.
• Geigenspiel scheint ältere Probanden
beweglich zu halten.
• Die sportliche Aktivität junger Profis war
auffallend niedrig. Laien betätigten sich insgesamt wesentlich häufiger sportlich als Profis.

Abstract

Zu den besonderen psychischen Belastungen von Berufsmusikern auf Kreuzfahrtschiffen

Joachim Thalmann (Detmold)

Musikphysiologie und Musikermedizin 2015, Nr. 1. Jg. 22 27 Essay Vom Traumschiff zum Albtraumschiff Zu den besonderen psychischen Belastungen von Berufsmusikern auf Kreuzfahrtschiffen Niederschrift eines Vortrages zum Symposion der DGfMM 2014 in Kassel1 Joachim Thalmann (Detmold) Meine sehr verehrten Damen, meine sehr geehrten Herren, ich darf mich zu Beginn ganz herzlich bei Ihnen bedanken – für den Luxus Ihrer Anwesenheit. Ich freue mich sehr, dass Sie mir als Nicht-Mediziner wertvolle 20 Minuten Ihrer Lebenszeit spenden, und werde mich bemühen, das zu halten, was Sie sich hoffentlich von mir versprechen. Während Sie über diesen Satz nachdenken, erkläre ich Ihnen kurz, worum es in meinem Vortrag gehen wird: Ich möchte Licht in einen besonderen Raum werfen – einen Raum, den viele von Ihnen als Traumschiff entweder vom Fernsehen oder live kennen.

Abstract

Starke Emotionen und Gänsehaut beim Musikhören: eine neue Theorie zum evolutionären Ursprung der Musik

Eckart Altenmüller und Reinhard Kopiez (Hannover)

Musik spielte zu allen Zeiten und spielt in allen
Kulturen eine wichtige Rolle: Mit Musik werden
mächtige Emotionen erzeugt, soziale Bindungen
vertieft und organisiert und sogar therapeutische
Ziele erreicht. Gerade die Stimme vereinigt magische Elemente, uralte kollektive Erfahrungen und
höchst lebendige Eigenschaften voll neuer Klänge.
Unsere Emotionen beim Hören von Gesang
hängen stark von Lernprozessen ab und können
durch Wissen und Kennen vertieft werden. Starke
Emotionen, die zu einem „Gänsehauterlebnis“
führen, treten z. B. häufiger auf, wenn musikalische Strukturparameter erkannt werden. Besonders wirkungsvoll sind dabei überraschende
Momente mit Verletzungen der musikalischen
Erwartung, aber auch Informationen zum Hintergrund einer Komposition können die Wirkung
vertiefen.
In dem Artikel werden neue Befunde zu den starken Emotionen beim Hören von Musik vorgestellt.
Die hirnphysiologischen Grundlagen emotionaler
Wirkungen werden an Beispielen erläutert und ein
Bezug zur Entwicklungsgeschichte des Menschen
und die Rolle der Musik im „Überlebenskampf “
wird hergestellt. Unser „Mixed-Origins-of-MusicModell“ (MOM-Modell) geht davon aus, dass die
emotionale Wirkung von Musik mehrere evolutionäre Grundlagen hat. Zum einen ist sie auf einem
allen Säugetieren gemeinsamen Code affektiver
Lautäußerungen (Schmerzensschreie, Wimmern,
Seufzen) begründet, zum anderen ist sie als „Erfindung“ des Menschen vor einigen hunderttausend
Jahren ausdifferenziert worden, wobei vermutlich
der parallel verlaufende Spracherwerb hier eine
wichtige Rolle spielte.

Abstract

Berichte: Der Musiker und sein Körper. Ein Resonanzraum für Wahrnehmung, Sinnlichkeit und Erleben

Lothar Schattenburg, Rudolf J.Knickenberg (Bad Neustadt / Saale), Maria Schuppert (Würzburg-Kassel)

Musikphysiologie und Musikermedizin 2015, Nr. 1. Jg. 22 33 Berichte Der Musiker und sein Körper. Ein Resonanzraum für Wahrnehmung, Sinnlichkeit und Erleben Ein Rückblick auf die 6. musikermedizinische Tagung der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt in Kooperation mit der DGfMM Lothar Schattenburg# , Rudolf J.Knickenberg# (Bad Neustadt / Saale), Maria Schuppert b (Würzburg-Kassel) Die 6. musikermedizinische Tagung der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt vom 27.–28.6.2014 fand wieder in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM) statt. Die Veranstaltung stand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. S. Kerber, Dr. R.J. Knickenberg, Prof. H. Möller und Frau Prof. M. Schuppert. In guter Tradition dieser nun regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen war auch die Tagung 2014 wieder interdisziplinär besetzt mit Musikern, Medizinern, Psychologen, Psycho-, Körper- und Kreativtherapeuten und mit Pädagogen.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren