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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2015
Ausgabe 03 / 2015
Die Last des Perfektionismus
Helmut Möller (Berlin) und Walter Samsel (Bremen)
Perfektionismus bei Musikern ist wie auch in anderen Gesellschatsbereichen ein Problem. Beim
Streben nach musikalischer Perfektion kommt es
dadurch häuig zu hemmenden und belastenden
Störungen. Ausgehend von praktischen Erfahrungen und Fallbeispielen werden mögliche individuelle und gesellschatliche Ursachen, begünstigende
Faktoren, Verhaltensmuster und die Folgen psychischer und körperlicher Entwicklungen diskutiert.
Professionelle therapeutische Interventionen zu
Umgangs- und Bewältigungsmechanismen werden
kurz dargestellt.
Umgang mit Fehlern: konstruktiv(istisch)e Einstellungen und Strategien für Musiker/innen und Instrumentallehrkräfte
Silke Kruse-Weber, Barbara Borovnjak und Cristina Marín (Graz)
In Risikodisziplinen wie Medizin und Lutfahrt
und der Arbeits- und Organisationspsychologie hat
der Umgang mit Fehlern eine wesentliche Bedeutung. In der Instrumentalpädagogik gibt es bisher
wenig explizites und systematisches Wissen über
den Umgang mit Fehlern, obwohl er im Instrumentalunterricht, beim Üben und Musizieren auf
allen Leistungsstufen ein Leben lang eine Schlüsselsituation darstellt. Ziel dieses Beitrages ist es,
mit Hilfe eines interdisziplinären Zugrifes Strategien im Umgang mit Fehlern für den Bereich des
musikalischen Übens, Unterrichtens und Autretens anwendbar zu machen. Die Fehlerkultur hat
einen entscheidenden Einluss auf den Erfolg beim
Üben und Autreten sowie auf das Gelingen der
Lehrer-Schülerbeziehung. Im ersten Teil dieses
Beitrages werden die Strategien des Lernens aus
Fehlern und der Fehlervermeidung im Kontext
der Lernpsychologie und Gesundheitswissenschat
diskutiert. Die Merkmale einer Deizitorientierung und einer Ressourcenorientierung werden
anschließend im Kontext von Lern- und Leistungssituationen herausarbeitet. Hierbei werden
Strategien des Fehlermanagements für den musikalischen Kontext adaptiert. Im Zentrum dieses
Beitrages steht ein konstruktivistischer Ansatz mit
einer metakognitiven Auseinandersetzung. Er ist
charakterisiert durch die aktive Rolle der Lernenden, da diese nachhaltig zu einem selbstbestimmten Lernen und Eizienz führen kann.
Performance in der Musik und im Sport, Wie ähnlich sind sich Berufsmusiker und Leistungssportler?
Andreas Lau und Oliver Stoll (Halle/saale)
Sowohl Berufsmusiker als auch Leistungssportler müssen professionell üben bzw. trainieren, um
regelmäßig ihre individuelle künstlerische bzw.
sportliche Leistungsfähigkeit innerhalb einer
Ensembleleistung unter Beweis zu stellen. Diese
Gemeinsamkeit beim Leistungsverhalten war
Ausgangspunkt einer Vergleichsstudie zwischen
A-Orchestermusikern (N = 38) und Basketballspielerinnen der 1. Bundesliga (N = 132). Neben
sozio-demograischen Daten der Studienteilnehmer/innen wurden die individuellen wöchentlichen
Belastungsumfänge erfasst. Die Ausprägungen
der psychischen Merkmale Leistungsmotivation
und Streben nach Perfektionismus wurden mitels
standardisierter Fragebögen erhoben, um deren
Einluss auf die individuelle Leistungsfähigkeit zu
prüfen.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass das wöchentliche Pensum von Musikern (Proben, Üben und
Autrite) nahezu doppelt so hoch ausfällt wie das
der Basketballspielerinnen. Die psychologischen
Ergebnisse zeigen, dass Berufsmusiker sich besonders durch erfolgsorientierte Motivationstendenzen auszeichnen und dass ihre hohe funktionale
Einstellung zum selbstverantworteten Perfektionismus die selbsteingeschätzte künstlerische Leistungsfähigkeit stärker zu beeinlussen scheint, als
jene perfektionistischen Ansprüche, die von anderen Kollegen ausgehen oder sich auf das Spiel anderer Kollegen beziehen.
Die Studienergebnisse können durchaus als Anlass
dazu verstanden werden, auf vorhersehbare Folgen
physischer und mentaler Belastung von Orchestermusikern zu verweisen und ein berufsbegleitendes
Präventionskonzept einzufordern, wie es im Leistungssport schon längst zum Standard gehört.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren