DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

Zeitschrift 2014

Ausgabe 01 / 2014

Abstract

Die Pianistin Clara Haskil - Ein Beispiel für ein herausragendes künstlerisches Schaffen und eine Pionierleistung der Neurochirurgie

Elena Romana Gasenzer (Düsseldorf)

Die Pianistin Clara Haskil war eine der bedeutendsten Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts.
Zugleich war ihr Leben durch schwere Schicksalsschläge gezeichnet und sie musste aufgrund ihrer
schlechten Gesundheit immer wieder ihre Karriere
unterbrechen. Von Kindheit an lit sie unter einer
Deformation der Wirbelsäule, weshalb sie schon
in jungen Jahren zahlreiche Klinikaufenthalte und
schmerzhafe Behandlungsversuche durchlit. Ihre
pianistische Karriere wurde besonders durch das
Regime der Nationalsozialisten und durch den
Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Im Alter von 47
Jahren erkrankte sie an einem Hirntumor, der durch
den Pariser Neurochirurgen Marcel David erfolgreich entfernt wurde. Nach dieser Operation und
nach Kriegsende durchlief Clara Haskil eine erfolgreiche Karriere als Konzertpianistin und setzte als
Mozart-Interpretin neue Maßstäbe. Ihr Fall zeigt
die Leistungen der frühen Neurochirurgie, die unter
den erschwerten Bedingungen des Zweiten Weltkrieges durchgeführt wurden. Ihr künstlerisches
Schafen ist aber auch ein Beispiel für eine erfolgreiche Neurorehabilitation – zu einer Zeit, als neurologische Rehakonzepte noch gar nicht existierten. Die moderne Neurorehabilitation kann ihrem
Leben und Werk bis heute Anregungen entnehmen.

Abstract

Wenn die Finger oder der Ansatz nicht mehr gehorchen:Symptome, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung von Dystonien bei Holzbläsern

André Lee und Eckart Altenmüller (Hannover)

Wenn die Finger oder der Ansatz nicht mehr gehorchen Wenn die Finger oder der Ansatz nicht mehr gehorchen: Symptome, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung von Dystonien bei Holzbläsern1 André Lee und Eckart Altenmüller (Hannover) 1 Eine leicht veränderte Version dieses Artikels ist in der Zeitschrif „Das Rohrblat“ unter folgenden bibliographischen Angaben erschienen: Eckart Altenmüller und André Lee: Wenn die Finger oder der Ansatz nicht mehr kontrolliert werden: Die Fokale Dystonie bei Holzbläsern. Das Rohrblat 2013; 28: 14–18. Zusammenfassung Das Spielen eines Holzblasinstruments erfordert die präzise räumlich zeitliche Koordination von über 100 Muskeln und setzt langjähriges Üben voraus. Neuroplastische Veränderungen sind die Folge, jedoch können maladaptive Anpassungsvorgänge zu einer Musikerdystonie führen. Hauptmerkmal der Dystonie ist die Kokontraktion antagonistischer Muskeln, die zu einer abnormalen Haltung der betrofenen Körperregion führt.

Abstract

Prozessorientiertes Lernen als missing link zwischen Körpertechnik und Gesang

Uta von Kameke-Frischling (Berlin)

Dieser Aufsatz ist ein Plädoyer für prozessorientiertes Unterrichten. Viele wertvolle Erkenntnisse aus
der Körperarbeit lassen sich leichter in den Instrumental- oder Gesangsunterricht transferieren, wenn
mehr der individuelle Lernprozess im Vordergrund
steht und weniger ein angestrebtes Leistungsziel.
Der Fokus verschiebt sich dabei hin zur sensorischen
Wahrnehmung, also vom Senden zum Empfangen.
Die Lernenden werden zu Experten ihrer Wahrnehmung ausgebildet und die Beziehung zu ihrem eigenen Tun wird gefördert. Außerdem entspricht das
prozessorientierte Lernen aktuellen neurophysiologischen Ansätzen, die Lernen als nicht-linearen und
selbstorganisierten Vorgang verstehen.
Gerade im Gesangsunterricht bietet sich eine
prozessorientierte Herangehensweise, die die
Lernenden auch als Empfänger fördert, in besonderem Maße an, weil Körper und Klang hier unmittelbar verkoppelt sind. Es gibt aber noch weitere
Aspekte, die dafür sprechen:
• Kann der Klang auf den Körper positiv zurückkoppeln, wird Singen als Zustand erlebt (stat als
Kräfe verschleißende Tätigkeit).
• Die Stimmfunktion ist ein Netzwerk von deaktivierten Schutzventilen.
• Die Stimmlippen sind ihrer Funktion nach nicht
nur Schutz- sondern auch Unterdruckventil.
• Der Kehlkopf besteht zu 80% aus Bindegewebe,
also rezeptivem Gewebe und nur zu 20% aus
Muskulatur.
• Da der Kehlkopf fast ausschließlich vom nervus
vagus innerviert wird, liegt es nahe, ihn als ein
Organ mit trophotroper (Ressourcen aufüllender) Wirkung zu betrachten.
• Beim prozessorientierten Lernen bewerten sich
die Lernenden selbst weniger negativ und initiieren mental günstigere Phonationsmuster.

Abstract

Rückblick auf das 12. Symposium der DGfMM

Berichte Rückblick auf das 12. Symposium der DGfMM 29.11.–30.11.2013 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln Musik lernen, Musik Machen – Mit Herz und Verstand! Neurowissenschaften und Pädagogik im Dialog Kurzfassung der Beiträge des 12. Symposiums der DGfMM (mit einem neuen Beitrag von Christine Stöger) Veranstalter Hochschule für Musik und Tanz Köln Peter-Ostwald-Institut für Musikergesundheit in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaf für Musikphysiologie und Musikermedizin e. V. Wissenschafliche Leitung Prof. Dr. med. Peer Abilgaard, Prof. Margareta Hürholz, Dr. med. Martin Fendel Korrespondenz Peter-Ostwald-Institut für Musikergesundheit Hochschule für Musik und Tanz Köln Unter Krahnenbäumen 87 50668 Köln E-Mail: Peer.Abilgaard@hfmt-koeln.de www.poi.hfmt-koeln.de Musik lernen – Musik machen.

Abstract

Zufälle und Gelegenheiten wahrnehmen und zum Lernen nutzen – Beispiele aus der Zusammenarbeit mit Familien im Rahmen des BA-Studiengangs „Pädagogik der Kindheit und Familienbildung“

Sigrid Tschöpe-Scheffler (Köln)

Berichte Zufälle und Gelegenheiten wahrnehmen und zum Lernen nutzen – Beispiele aus der Zusammenarbeit mit Familien im Rahmen des BA-Studiengangs „Pädagogik der Kindheit und Familienbildung“ sigrid tschöpe-scheffler (Köln) Vor fünf Jahren haben Kollegen und ich an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschafen der Fachhochschule Köln den BA-Studiengang „Pädagogik der Kindheit und Familienbildung“ entwickelt, in dem ich u.a. in Lehre und Forschung für die Bereiche „Zusammenarbeit mit Familien, Frühe Hilfen und elterliche Erziehungskompetenz“ zuständig bin. Das Studium beinhaltet zwei Praxisphasen, in denen die Studierenden für jeweils zwölf Wochen in Einrichtungen der Elementarpädagogik und der Familienbildung arbeiten und dort unterschiedliche Forschungsaufgaben und Projekte durchführen müssen.

Abstract

Ressourcenorientierung im Studium - Zum Alltag einer Musikhochschule

Christine Stöger (Köln)

Ressourcenorientierung im Studium Zum Alltag einer Musikhochschule Christine Stöger (Köln) Während einer Sprechstunde beschreibt eine fortgeschritene Studentin, die ich bisher als ausgesprochen leistungsstark und engagiert bis enthusiastisch erlebt habe, ihre aktuelle Situation folgendermaßen: Sie habe den Eindruck, sich immer wieder enorm anzustrengen, würde aber ständig die Botschaf erhalten, dass ihre Leistung nicht ausreiche und höchstens durchschnitlich sei. Dies erlebe sie mitlerweile als so belastend, dass sie die Lust am Studium verloren häte und überlege, etwas ganz Anderes zu machen. Im Alltag als Studiengangsleiterin begegnen mir mehr und öfer Studierende, die etwas erleben, was man den Verlust an Ressourcen und Ressourcenorientierung nennen könnte. Sie sind nicht selten mit mehr oder weniger körperlichen Reaktionen gekoppelt, die den Menschen mit skurriler Kreativität von Psyche und Physis den Boden unter den Füßen wegziehen.

Abstract

Optimale Bedingungen für Musik machen und Musik erlernen. Was sagt die pädagogische Forschung? Im Rahmen des BA-Studiengangs „Pädagogik der Kindheit und Familienbildung“

Manfred Grunenberg (Bochum)

Optimale Bedingungen für Musik machen und Musik erlernen. Was sagt die pädagogische Forschung? Im Rahmen des BA-Studiengangs „Pädagogik der Kindheit und Familienbildung“ Manfred Grunenberg (Bochum) Fragt man aus dem Blickwinkel des Pädagogen nach optimalen Bedingungen, bewegt man sich automatisch im Reich der Visionen. Zu ungenügend sind die Verhältnisse, mancherorts geradezu prekär. Der schnelle Überblick, wie es denn um das Musiklernen und das Musizieren in den Lebensbereichen der heranwachsenden Generation bestellt ist, lässt ein ungutes Szenario entstehen. Auf zu einer kurzen Umschau Der Blick schweif über häusliche Verhältnisse, in denen jedwede Musik aus dem Lautsprecher kommt. Wir sehen musikalisch ärmlichste Krippen und Kindergärten, die ihre Absolventen in musikalisch ausgeblutete Grundschulen schicken, Musikwüsten in Förderschulen und annähernd musikfreie Zonen in Haupt- und Realschulen.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren