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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2016
Ausgabe 03 / 2016
Musikermedizin in Deutschland: eine Standortbestimmung
Maria Schuppert (Würzburg) und Eckart Altenmüller (Hannover)
In diesem Übersichtsartikel werden die Errungenschaften der Musikermedizin in den letzten 20
Jahren in Deutschland zusammengefasst. Die
großen musikermedizinischen Themen sind die
Prävention und Behandlung von spielbedingten
Schmerzsyndromen, von neurologischen Erkrankungen, insbesondere der Nervenkompressionssyndrome und der Musikerdystonien, und von
Angststörungen, die als Auftrittsangst häufig die
Berufsfähigkeit von Musikern bedrohen. Aber
auch internistische Erkrankungen spielen in der
Musikermedizin eine zunehmende Rolle. Auf all
diesen Gebieten ist in den letzten beiden Jahrzehnten eine deutliche Verbesserung der präventiven
und therapeutischen Möglichkeiten erzielt worden.
Darüber hinaus sind zahlreiche Institute, Netzwerke und außeruniversitäre musikermedizinische
Institutionen gegründet worden, die als Adressenliste im Anhang verzeichnet sind.
Evidenz für verbesserte Interozeptionsgenauigkeit bei professionellen Musikern
Katharina L. Schirmer-Mokwa, Pouyan R. Fard, Anna M. Zamorano, Sebastian Finkel, Niels Birbaumer und Boris A. Kleber
Interozeption wurde bislang als eine eher unveränderbare Fähigkeit angesehen. Neuere Untersuchungen lassen jedoch vermuten, dass die Körperwahrnehmung durch das Training von multisensorischer
Integration, wie zum Beispiel beim Musizieren,
verändert werden kann. 13 Sänger, 12 Streicher
und 13 Nicht-Musiker wurden mit Hilfe eines etablierten Modells zur Testung der Herzschlagwahrnehmung untersucht, ergänzt durch Fragebögen
zu verschiedenen Persönlichkeitsaspekten. Beide
Musiker-Gruppen zeigten eine höhere Interozeptionsgenauigkeit auf als die Nicht-Musiker. Außerdem konnten etwa 49% der Varianz in der Herzschlagwahrnehmung bei den Sängern durch deren
Gesamtübedauer erklärt werden. Persönlichkeitsfaktoren konnten als Einflussfaktoren ausgeschlossen werden. Dies weist darauf hin, dass professionelle Musiker, verglichen mit Nicht-Musikern,
aufgrund des musikalischen Trainings eine verbesserte Interozeptionsgenauigkeit aufweisen.
Das Phänomen der Auftrittsangst bei klassischen Musikern und Jazzmusikern im Vergleich
Thomas Hähnlein, Robert Tscharn und Maria Schuppert (Würzburg)
Die meisten bisherigen Studien zum Thema Auftrittsangst bei Musikern untersuchen ausschließlich klassische Musiker und vernachlässigen andere Musikergruppen, insbesondere Jazzmusiker. Ziel dieser Studie
war es deshalb, ausführlichere Daten zu Musikern
aus dem Jazzgenre zu sammeln und mögliche Unterschiede zwischen Jazzmusikern, klassischen Musikern
sowie Musikern, die gleichermaßen in beiden Genres
aktiv sind, zu identifizieren. Die Daten wurden über
einen Online-Fragebogen erhoben, der von insgesamt
131 Musikstudierenden und professionellen Musikern vollständig ausgefüllt wurde. Insgesamt stellte
sich heraus, dass die Musikergruppen ähnlich stark
von Auftrittsangst betroffen sind. Jazzmusiker und
klassische Musiker unterscheiden sich nur geringfügig in den untersuchten Punkten. Überraschenderweise zeigte sich, dass Jazzmusiker eher negative
Konzerterfahrungen erleben als klassische Musiker.
Die im Vorfeld getroffene Annahme, dass Jazzmusiker vor allem auf Kreativität und Individualität Wert
legen, während bei klassischen Musikern die Perfektion im Vordergrund steht, wird weitestgehend nicht
bestätigt. Lediglich die größere Sorge bei Jazzmusikern, keine musikalischen Ideen zu haben sowie das
Ergebnis, dass klassische Musiker eher Lehrer hatten,
die großen Wert auf technische Perfektion gelegt
haben, deuten in diese Richtung. Zusammenfassend
demonstrieren unsere Daten, dass klassische Musiker
und Jazzmusiker hinsichtlich des Phänomens der
Auftrittsangst ähnlicher sind als im Vorhinein angenommen, sich jedoch auch bezüglich einiger spezifischer Aspekte unterscheiden.
Veränderungen von Aktivität und Topographie im somatosensorischen System bei Ansatzdystonie
Tobias Mantel, Christian Dresel, Eckart Altenmüller, Claus Zimmer, Jonas Noe und Bernhard Haslinger
138 Veränderungen von Aktivität und Topographie im somatosensorischen System bei Ansatzdystonie Tobias Mantel1 , Christian Dresel1 , Eckart Altenmüller2 , Claus Zimmer3 , Jonas Noe1 und Bernhard Haslinger1 Originalpublikation: Activity and topographic changes in the somatosensory system in embouchure dystonia. Movement Disorders 2016 Jun 7. doi: 10.1002/mds.26664. Die Ansatzdystonie ist eine neurologische Erkrankung professioneller Blasmusiker, die sich durch eine Koordinationsstörung der orofazialen Muskelgruppen ausschließlich während des Spiels äußert. Diese Bewegungsstörung führt zu einem Verlust der Fähigkeit, den Luftstrom während des Spiels adäquat zu kontrollieren, was je nach Ausprägung in einer berufsrelevanten Minderung oder auch einem Verlust der Spielfähigkeit resultiert. Frühere Studien bei Ansatzdystonie fanden Hinweise auf eine Störung der Interaktion der beteiligten somatosensorischen und motorischen Hirnareale im Rahmen des Spielvorgangs.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren