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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2025
Ausgabe 01 / 2025
Komplette Ausgabe
Herausgeber*innen: J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H. C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Einfluss von Angst auf Übeverhalten und Aufführungsqualität bei erfahrenen Pianistinnen und Pianisten
Edoardo Passarotto, Florian Worschech, Eckart Altenmüller
EINLEITUNG: Musikerinnen und Musiker sind in hohem Maße auf intensives Üben angewiesen, um die
technische und künstlerische Beherrschung ihres Instruments zu erlangen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dysfunktionales Übeverhalten und Ängste werden häufig als mögliche Risikofaktoren für musizierbezogene Beschwerden und Erkrankungen genannt. Der Mechanismus, über den die genannten Faktoren
potenziell zur Entstehung musikermedizinischer Probleme beitragen, ist jedoch noch ungeklärt. Die vorliegende Studie soll diese Forschungslücke schließen und den Zusammenhang zwischen quantitativen Messungen von Angst, Übeverhalten und der Qualität der musikalischen Darbietung untersuchen.
METHODEN: Das Experiment bestand in der Erfassung und Analyse des Übeverhaltens von 30 Pianistinnen und Pianisten beim Einstudieren einer kurzen musikalischen Aufgabe.
ERGEBNISSE: Die meisten der mittels Selbstbericht erfassten Angst-Scores wiesen eine positive Korrelation mit der Übezeit auf, insbesondere die unmittelbar vor den Übesitzungen erfassten Werte. Ähnliche
Korrelationen ließen sich zwischen dem Angsterleben und der Anzahl der Repetitionen der musikalischen
Aufgabe feststellen. Physiologische Angstmarker zeigten hingegen nur einen schwachen Zusammenhang mit
dem Übeverhalten.
Nachfolgende Analysen ergaben, dass höhere Angst-Scores mit einer geringeren Qualität der musikalischen
Darbietung zu Beginn des Experiments assoziiert waren. Die Interaktion zwischen Lerntempo und Angst der
Teilnehmenden zeigte jedoch keinen Zusammenhang mit der Qualität der Darbietung. Zudem entwickelten
sich Angst und Spielqualität während der Übeeinheiten parallel: Pianistinnen und Pianisten, die ihre Leistung verbesserten, wiesen im späteren Verlauf des Experiments geringere Angstwerte auf.
DISKUSSION: Die Ergebnisse legen nahe, dass ängstliche Musikerinnen und Musiker ein erhöhtes Risiko
für musizierbezogene Beschwerden aufgrund von Überbeanspruchung und repetitiven Belastungen haben.
Zukünftige Forschungsansätze sowie klinische Implikationen werden erörtert.
Szenisches Fliegen und Höhenarbeit im Bühnenbild: Gefährdungsbeurteilung am Theater und auf Bühnen Best Practice-Beispiele aus der Arbeitsmedizin
Ivonne Hammer, Gabor Zsitva
Ob Hexe in Humperdincks „Hänsel und Gretel“, Engel in Puccinis „Tosca“ oder Katerina in Dmitri D. Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ – immer wieder verzaubern ftiegende oder in der Höhe des Bühnenbildes agierende Darstellerinnen und Darsteller das Publikum. Wie häufig bei Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Kunst und Arbeitsschutz ist hier die enge Zusammenarbeit zwischen Technischer Direktion und Arbeitsmedizin gefragt, um Arbeitsunfällen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Mitarbeitenden bestmöglich vorzubeugen, ohne die künstlerischen Ideen der Inszenierung zu stören. An der Oper Leipzig wird zusätzlich zu den allgemeinen Gefährdungsbeurteilungen für jedes Stück während des Probenprozesses eine stückbezogene Gefährdungsbeurteilung erstellt, in der die Besonderheiten der jeweiligen Inszenierung betrachtet und technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen konzipiert werden.
Ein Scoping-Review zur Prävalenz der Lärmschwerhörigkeit bei Musikerinnen und Musikern
Carl Firle, Antonia Richter
Lärmschwerhörigkeit ist die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit in Deutschland. Auch Musikerinnen und Musiker können davon betroffen sein. Um herauszufinden, in welchem Ausmaß die Berufsgruppe
der Musikerinnen und Musiker betroffen ist, führten wir eine systematische Literaturrecherche im Peer-Review-Verfahren gemäß PRISMA-Statement durch. Die Datenbanken Medline (Pubmed), Embase, Cochrane Library und die Suchmaschine Google Scholar wurden mit dem Suchbegriff (hearing loss OR hearing
impairment OR hearing di$culties OR acoustic trauma) AND (musician) durchsucht. Eingeschlossen wurden Studien, die Originalarbeiten sind und in welchen eine Tonaudiometrie durchgeführt wurde. Nach Abschluss des Begutachtungsprozesses durch die zwei Autoren als unabhängige Gutachter wurden 79 Studien
für die Analyse eingeschlossen. Die gefundenen Studien betreffen verschiedene Musikgenres wie Klassik,
Rock, Pop, traditionelle Musik sowie Militärmusik/Marschmusik. Viele Studien haben erweiterte Fragestellungen bearbeitet, wie beispielsweise die temporäre Hörschwellenabwanderung („temporary threshold
shift“) vor und nach Musikexposition, oder stellen einen Bezug zu weiteren HNO-Erkrankungen (z. B. Tinnitus) her. Die Studienpopulationen waren meist klein, im Median 52 Teilnehmer pro Studie (IQA 30-109).
Die meisten Studien schlossen Musiker ein, die mehr als 5 Jahre als Musiker aktiv sind, wobei signifikant
häufiger Männer eingeschlossen wurden als Frauen. Besonders häufig wurden Studierende als Kollektiv gewählt, wobei Daten zu älteren Musikern (> 60 Jahre) fehlen. Daher konnte eine Lebenszeitprävalenz nicht
ermittelt werden. Die extrahierten Ergebnisse wurden systematisch nach Frequenz und Hörverlust in dB
aufgetragen. Im klassischen Bereich zeigten sich einige Studien mit Ergebnissen, die für einen Hörverlust von
> 15-20 dB im Bereich 4000-6000 Hertz sprechen. Dies entspricht in etwa der zu erwartenden c5-Senke., die
für die beginnende Lärmschwerhörigkeit typisch ist. Es fanden sich jedoch auch Studien, die normale Hörfunktion in diesem Bereich zeigten. Bei Rock/Pop/Jazz-Musikerinnen und -Musikern ist der Hörverlust,
wie zu erwarten, gravierender. Hier fand sich nur eine Studie mit normaler Hörleistung bei allen Probanden.
Der Frequenzbereich mit Hörverlusten ist mit 3000-8000 Hz breiter gefasst und die dB-Verlustwerte überstiegen häufig 20 dB. Die Studienlage für Militär- und Marschmusik ist deutlich dünner. Hier deuten sich
aber ebenfalls Hörverluste im Bereich 4000-6000 Hz > 20 dB an. Ein ähnliches Bild zeigt sich für das Genre
traditionelle Musik. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Prävalenzen je nach Genre variieren:
Senken-Konfiguration haben 20-50 % und Hörverlust zwischen 5-70 % der Musizierenden des klassischen
Genres, Senken 40 % und Hörverlust 20-60 % der Rock/Pop/Jazz-Musizierenden.
Eine abschließende epidemiologische Aussage zur Lärmschwerhörigkeit bei Musikerinnen und Musikern lässt sich auf Grundlage der Ergebnisse nicht treffen, da meist junge, männliche Studienpopulationen untersucht wurden und längsschnittliche Daten fehlen.
Abstracts englischsprachiger Publikationen
JUMM Jahresbericht 2024 Junge Musikphysiologie und Musikermedizin
Janina Kruse, Carl Firle, Rebekka Hoppermann, Lennart Pieper
Deutscher Musikrat: Musik und Gesundheit Potenziale für Körper, Psyche und Gemeinschaft gezielter fördern und nutzen!
Resolution Musik und Gesundheit – Potenziale für Körper, Psyche und Gemeinschaft gezielter fördern und nutzen! Aktives Musizieren sowie das vielfältige Musik-Erleben haben, belegt durch diverse Studien, positive Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit – ob präventiv oder in Form von Musiktherapie bei einer Akutbehandlung, ob in frühkindlichen Entwicklungsphasen, für Jugendliche, Erwachsene oder in Alter und Krankheit. Zugleich ermöglicht Musik psychisch oder körperlich Erkrankten und ihren Angehörigen Inklusion in die Gesellschaft, soziale wie kulturelle Teilhabe und kann auf diese Weise auch Einsamkeit verringern. Besonders deutlich kann dies am Beispiel von Menschen werden, die von Demenz betroffen sind.
Neuerscheinungen
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren