DGfMM – Fachzeitschrift

Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift

Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.

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Zeitschrift 2024

Ausgabe 01 / 2024

Abstract

Videobasierte Evaluation von Langzeitverlauf und Therapien der Musikerdystonie bei Pianistinnen und Pianisten

Julius Gründahl, Michael Großbach, Eckart Altenmüller

Hintergrund: Die Musikerdystonie (MD) ist gekennzeichnet durch eine Beeinträchtigung oder den vollständigen Verlust der feinmotorischen Kontrolle während des Musizierens. Therapeutisch kommen lokale Injektionen mit Botulinumtoxin, anticholinerge Medikamente und pädagogisches Retraining zum Einsatz, allerdings ist die Evaluation einzelner Therapien weiterhin schwierig. Ziel dieser retrospektiven Beobachtungsstudie ist es, die langfristige Entwicklung der MD und die Wirksamkeit von Therapien bei Pianistinnen und Pianisten mit Hilfe eines einfachen Videoratings durch informierte Expertinnen und Experten zu bewerten.

Methoden: Im Rahmen des Ratings wurden Videos von 80 Patientinnen und Patienten, welche die betroffene Hand während des Spielens einer C-Dur-Tonleiter zeigten, von 6 geschulten Pianisten bewertet. Dabei wurden die akustische Unregelmäßigkeit und die Bewegungsbeeinträchtigung des Tonleiterspiels auf visuellen Analogskalen evaluiert. Der Einfluss patientenspezifischer Faktoren, einschließlich der angewandten Behandlung, wurde in einer Bayes‘schen Multilevel- Regression geschätzt.

Ergebnisse: Das Videorating zeigte eine hohe Intrarater-Reliabilität und eine mittlere Interrater-Konkordanz. Die durchschnittliche geschätzte Verbesserung über alle Therapien hinweg betrug 14 % (Unregelmäßigkeit) bzw. 15% (Beeinträchtigung). Die höchsten Verbesserungsraten der Unregelmäßigkeit wurden nach der kombinierten Behandlung mit Botulinumtoxin und Trihexyphenidyl (45 %) sowie nach alleinigem Retraining (29 %) festgestellt. Bei der Bewertung der Beeinträchtigung wurde die höchste Verbesserung nach Retraining mit Trihexyphenidyl (36%) sowie nach alleinigem Retraining (23%) gezeigt.

Schlussfolgerungen: Das Videorating erwies sich als zuverlässige und nützliche Methode. Die durchschnittlichen Verbesserungsraten unterscheiden sich von früheren Studien, welche subjektive Patientenfragebögen verwendeten. Die einzelnen  erapien zeigten unterschiedliche Effekte, wobei Retraining die höchsten Verbesserungsraten erbrachte.

Zeitschrift 2019

Ausgabe 01 / 2019

Abstract

Musikerdystonien: Phänomenologie, Ursachen, Differenzialdiagnosen und Behandlungsmöglichkeiten

Eckart Altenmüller (Hannover), André Lee (München) und Hans-Christian Jabusch (Dresden)

Musizieren auf professionellem Niveau ist eine der
komplexesten menschlichen Leistungen. Extrem
schnelle und komplexe, zeitlich-räumlich präzis definierte Bewegungsmuster müssen mit hoher Zuverlässigkeit gelernt, gespeichert und abgerufen werden,
um die Erwartungen der Zuhörer zu erfüllen. Um
diese Fähigkeiten zu erwerben, müssen Musiker
über viele Jahre hinweg intensiv üben. Steigende
Arbeitsbelastung am Instrument kann zu maladaptiver Plastizität des Zentralnervensystems führen und
motorische Störungen, wie z. B. die Musikerdystonie
auslösen.
Die Musikerdystonie ist durch den permanenten
Verlust der Kontrolle hoch präziser Bewegungen
beim Spielen eines Musikinstruments gekennzeichnet. Sie betrifft etwa 1–2% der Berufsmusiker.
Pathophysiologisch liegen gestörte Inhibition und
sensomotorische Integration, möglicherweise auf
dem Boden einer genetischen Veranlagung vor.
Als „dynamisches Stereotyp“ wird eine zunächst
vorübergehende Verschlechterung der Feinmotorik
bezeichnet, die häufig durch psychologische Stressoren oder Müdigkeit ausgelöst wird und als Vorform
der Dystonie betrachtet werden kann.
Die Behandlung der verschiedenen motorischen
Störungen bei Musikern umfassen ergonomische
Anpassungen, Anticholinergika, Retraining, und
lokale Injektionen mit Botulinumtoxin. Präventionsstrategien in der Ausbildung junger Berufsmusiker
sollten auf ein gesundes Arbeitsverhalten, Selbstmanagement, und psychologisch unterstützenden
Unterricht ausgerichtet sein.

Zeitschrift 2009

Ausgabe 03 / 2009

Abstract

Die Vertreibung aus dem Paradies - Die Fokale Dystonie in der Musikerpraxis: Retraining nach den Prinzipien der Dispokinesis 

Angelika Stockmann, Essen

Der vorliegende Aufsatz ist ein Erfahrungsbericht über die Arbeit mit an Fokaler Dystonie
erkrankten Musikern in der Dispokinesispraxis.
Die Symptomatik der Dystonie stellt ein komplexes muskulär-kortikales Muster dar, bei
dem die „Verkörperung von Intensität“ in Bezug auf den musikalischen Ausdruck im
Selbstbild des Musikers eine bedeutende Rolle
spielt. Entsprechend komplex gestalten sich
die Retrainingprozesse, an deren Ende eine
unfassende Selbstkompetenz des Musikers
steht.
Der dispokinetische Ansatz umfasst drei
Schichten:
1) Zunächst geht es um die Verbesserung der
allgemeinen körperlichen Disposition sowie um
die Vertiefung des sensomotorischen Feedbacks.
2) Die Neuorganisation grundsätzlicher Bewegungskoordinaten führt zum Prinzip „Organisieren statt Kontrollieren“ und zu einer neuen
Qualität von Bewegungsvorstellungen.
3) Dies stellt die Voraussetzungen dar, um die
stereotypen Muster am Instrument durch „ursprüngliche“ Ausdrucksbewegungen ersetzen
zu können.
Das Ziel ist eine gelungene Integration von
Funktionalität und persönlicher Ausdrucksfreiheit.
Das Krankheitsbild der Dystonie stellt in diesem Sinne auch eine Herausforderung an die
Musikerausbildung dar: Eine umfassende und
kompetente Anleitung zum „Selbstmanagement“ ist die beste Prävention.

Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)

Hinweise für Autorinnen und Autoren

Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.

Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren