Für geschütze Inhalte () ist eine Anmeldung im Mitgliederbereich erforderlich. Login
DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2003
Ausgabe 03 / 2003
Teil II: Leistungsphysiologische Prinzipien
M.L. Hahnengress
Die angewandte Physiologie bezeichnet die
Gebiete der Physiologie der beruflichen Arbeit,
des Sports, der Höhe, des Weltraums und
auch der Musik.
Innerhalb dieser Gebiete verfolgt eine arbeitsphysiologische Betrachtungsweise eine Optimierung und Ökonomisierung der Vorgänge
bei körperlicher Aktivität, eine leistungsphysiologische Sicht die Grenzen der Leistungsfähigkeit innerhalb der für die Tätigkeit notwendigen
Organe und Organstrukturen und deren Erreichen.
Die Realisation der vom Notentext assoziierten
Klangvorstellung wird durch Üben angestrebt.
Durch unzählige Repetitionen kann jedoch gerade das Organ Muskulatur einen Engpass
darstellen und die gewünschte klangliche Vorstellung eventuell nicht erreicht werden, was
körperliche Beeinträchtigungen verursachen
kann. Für die Beurteilung der Qualität einer
motorischen Ausführung ist es notwendig, die
fünf muskulären Beanspruchungsformen Koordination, Flexibilität, Schnelligkeit, Kraft und
Ausdauer zu differenzieren.
In der Arbeitswelt des Musikers bestimmt die
Qualität der Koordination die Präzision und die
zeitliche Akkuratesse der zu spielenden Notenfolge. Fingergriffe auf einem Griffbrett, einer
Tastatur, einer Klappen- oder Ventilmechanik
und die Anforderungen an den Thorax bei
Blasinstrumentalisten bedürfen der erforderlichen Flexibilität.
Gespielte Noten werden nur durch die notwendige Schnelligkeit zum Allegro. Nur die adäquate Kraft produziert ein Fortissimo. Ohne
Ausdauer sind die Anforderungen von vier
Stunden Oper nicht durchzuhalten.
Leistungsphysiologische Grundlagen könnten
dazu beitragen, die Vorbereitung musikalischer Anforderungen eventuell risikoärmer zu
strukturieren.
Funktionelle und dysfunktionelle Plastizität bei Musikern
M. Bangert und E. Altenmüller
Untersuchungen zur Neuroplastizität haben auf
Verhaltens- und zellulärer Ebene gezeigt, dass
die Relevanz der Stimuli von großer Bedeutung für die Ausprägung zentralnervöser Adaptationen ist. Offensichtlich scheint das Musizieren eine derartige Relevanz zu besitzen, denn
professionelle Musiker sind ideal, um Effekte
der Neuroplastizität zu studieren. Zwei Gründe
können dafür angeführt werden: 1.) Musizieren
schließt überaus komplexe sensorische und
motorische Funktionen ein und 2.) Musizieren
erfordert jahrelanges Üben.
In diesem Übersichtsartikel sollen die durch
das Musizieren ausgelösten strukturellen und
funktionellen zentralnervösen Veränderungen
dargestellt werden, wobei in erster Linie die
Ergebnisse bildgebender Verfahren berücksichtigt werden. Plastizität lässt sich in auditiven und sensomotorischen Arealen von Musikern darstellen. Strukturelle Veränderungen
finden sich darüber hinaus im Bereich des Balkens und des Kleinhirns von Musikern. Auditivsensomotorische Integration führt bereits nach
20 Minuten zu Veränderungen der neuronalen
Konnektivität. Als Beispiel für dysfunktionelle
Plastizität gilt die Musiker-Dystonie, deren
Grundlage eine Verschmelzung sensorischer
Fingerrepräsentationen ist.
Wie Entwicklungen in Ergonomie und Pädagogik Patrick Süskind widerlegenrn
M. Schuppert und S. Choi
Für den frühinstrumentalen Unterricht auf dem
Kontrabass liegen noch vergleichsweise wenig
kindgerechte instrumentenbauliche Entwicklungen und pädagogische Erfahrungen vor.
Durch eine enge Kooperation von Musikpädagogen und Instrumentenherstellern wurde die
Nachwuchsförderung im Instrumentalfach
Kontrabass nun unter Berücksichtigung physiologischer Aspekte intensiviert. Die ergonomischen Eigenschaften von Kinderkontrabässen in 1/8 und 1/16 Größe sowie von Bassbögen und Zubehör konnten soweit optimiert
werden, daß eine altersgerechte physische
Beanspruchung der Schüler nicht mehr überschritten werden muss. Bereits innerhalb der
sensiblen Lernphasen im Kindesalter kann
hierdurch ein Spielen mit geringem Krafteinsatz sowie physiologischer Körperhaltung und
Spieltechnik vermittelt werden. Dies bedeutet
einen deutlichen Fortschritt in der Prävention
körperlicher Über- und Fehlbelastungen bei
Kontrabassisten.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren