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DGfMM – Fachzeitschrift
Ausgaben & Abstracts der DGfMM-Fachzeitschrift
Die DGfMM-Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Originalarbeiten und praxisnahe Beiträge. Hier können Sie die Zusammenfassungen einsehen. Mitglieder haben nach dem Login Zugriff auf die Volltexte.
Zeitschrift 2025
Ausgabe 03 / 2025
Komplette Ausgabe
Herausgeber:innen: J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H. C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Die Einrichtung einer Orchesterklasse an einer Kieler Grundschule – ein Erfahrungsbericht
Claudia Langer
In dem Bericht geht es um Transfereffekte des Musizierens, speziell um Wirkungen intensivierten Musikunterrichts auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern an einer Grundschule in einem sozialen Brennpunkt – also in einem Bereich der frühen Bildung, auf den in der aktuellen Bildungspolitik im Interesse von mehr Bildungsgerechtigkeit ein Schwerpunkt gesetzt wird. Als Erfahrungsbericht hat er nicht die Evidenz einer wissenschaftlichen Studie und beansprucht nicht, eine „kausale Beziehung“ zwischen der musikalischen Förderung und den beobachteten positiven Effekten insbesondere im kognitiven Bereich zu belegen. Im Fokus steht die Frage, wie ein derartiges Projekt zu gestalten sei, damit mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte Wirkungen erreicht werden können. Der Bericht unterstreicht, wie voraussetzungsreich ein solches Projekt ist: dass es insbesondere auf verlässliche organisatorische Rahmenbedingungen ankommt, die die Kontinuität des Lernens und Übens ermöglichen und sichern, auf eine von Anfang an zielführende Gestaltung der Lernprozesse mit vielen Gelegenheiten und Anlässen für Kinder zu eigenem und gemeinsamem Tun und v.a. auf fachlich kompetente Lehrkräfte, die den Kindern mit Empathie begegnen. Als weiterer wichtiger Faktor erweist sich die Fähigkeit zur Kooperation und Einbeziehung aller Beteiligten, insbesondere auch der Eltern durch frühe Information und gemeinsame Veranstaltungen mit den Kindern von Anfang an.
Dissonanz im Studium: Sind Musikstudierende stärker gefährdet, an einer Depression zu erkranken?
Michaela Kortze und Deniz Cerci
Die Frage, ob Musikerinnen und Musiker häufiger an Depression leiden als andere Berufsgruppen, beschäftigt die Forschung seit langem. Zwei Studien an britischen Institutionen untersuchten die Depressionsprävalenz bei 103 Studierenden (Ø 23,6 Jahre) aus drei Gruppen: Musikhochschulstudierende, Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende. Mittels validierter Fragebögen erfolgte die Erfassung von Depression, Angst, Schmerzverarbeitung, Burnout und beruflicher Identität. Musikhochschulstudierende zeigten signifikant höhere Depressionsprävalenz als Universitätsmusiker und Naturwissenschaftsstudierende. Paradoxerweise wiesen sie signifikant niedrigere Werte bei Angstzuständen und maladaptiver Schmerzverarbeitung auf. Die statistische Modellierung ergab Angst als stärksten Depressionsprädiktor, während die berufliche Musikeridentität per se keinen Risikofaktor darstellte. Eine qualitative Folgestudie mit sieben Musikern, bei denen eine Depression diagnostiziert worden war, untersuchte musikerspezifische Herausforderungen sowie die von ihnen eingesetzten Strategien zur Verbesserung ihrer Gesundheit. Qualitative Analysen offenbarten strukturelle Probleme in Musikinstitutionen: unzureichende Unterstützung für psychische Gesundheit, Machtungleichgewichte zwischen Studierenden und Lehrenden sowie eine Kultur des Schweigens über mentale Probleme. Die Beziehung zwischen Musikstudium und Depression erweist sich als komplex. Trotz erhöhter Depressionsprävalenz zeigen Musikhochschulstudierende in den relevanten Fragebögen durchweg bessere Bewältigungsstrategien. Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit differenzierter Präventionsansätze. Die Ergebnisse bestätigen bereits bestehende Forderungen nach Etablierung einer anerkannten Musikermedizin als eigenständige Disziplin, analog zur Sportmedizin. Ein derartiges Fachgebiet könnte Musikerinnen und Musikern bereits während ihres Studiums Unterstützung bieten und ihre langfristigen Karriereaussichten verbessern.
Bau einer ergonomisch angepassten Viola
May-Lisa Herzberg
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Motivation
Entwicklung einer ergonomischen Viola für kleine Musikerinnen und Musiker Das sogenannte „Violaproblem“ ist ein altbekanntes Thema in der Bratschenszene: Die Viola ist im Vergleich zu ihrem Tonumfang zu klein, was ihre klanglichen Eigenschaften einschränkt. Ein größerer Korpus könnte den Klang verbessern, führt jedoch häufig zu Problemen in der Spielbarkeit, insbesondere für Musikerinnen und Musiker mit kleinerer Körpergröße, kurzen Armen und kleinen Händen. Der Versuch, eine klanglich optimierte, größere Viola zu entwickeln, hat in der Vergangenheit gezeigt, dass ein extrem vergrößertes Instrument zwar akustisch vorteilhaft ist, jedoch von den Musizierenden oft nicht mehr als traditionelle Viola akzeptiert wird. Gleichzeitig bringen zu große Instrumente ergonomische Nachteile mit sich und führen bei vielen Musizierenden zu chronischen Beschwerden an Händen, Armen und Schultern.
Ergonomie der Viola aus musikermedizinischer Sicht
Jochen Blum
Ergonomische Veränderungen am Design der Viola sind aus musikermedizinischer Sicht sinnvoll und wurden auch in der Vergangenheit in verschiedensten Projekten vorgenommen. Die Motivation liegt vor allem darin, spieltechnische Limitierungen besser überwinden zu können und damit verbundene körperliche Überanstrengungen bis hin zur Entwicklung spielbezogener Erkrankungen zu vermeiden. Die diesbezügliche Problematik liegt auch darin, dass selbst große Violagrößen immer noch im Vergleich zum eigentlichen Tonspektrum unterdimensioniert sind und kleine Violamodelle oftmals als klanglich dünn und nicht weitreichend genug empfunden werden.
In dieser Publikation sollen die verschiedenen kritischen Charakteristiken eines zu großen Instrumentes differenziert besprochen werden und der musikermedizinische Bezug und somit die Sinnhaftigkeit ergonomischer ausgerichteter Violaformen erörtert werden.
Rückblick: JUMMposium 2025 in München
Janina Kruse
Vom 11. bis 13. Juli 2025 fand das diesjährige JUMMposium der Jungen Musikphysiologie und Musikermedizin (JUMMs) in München statt. Die Veranstaltung bot ein inspirierendes Forum für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Musikerinnen und Musiker, die sich an der Schnittstelle von Musik, Medizin und Bewegung austauschen und vernetzen wollen
Musikermedizin in der Praxis – den Weg zurück auf die Bühne begleiten
Harald Luft
Unter dem Leitthema „Musikermedizin in der Praxis: Den Weg zurück auf die Bühne begleiten“ fand vom 17. bis 18. Oktober 2025 das 23. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM) in der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig statt.
Die Veranstaltung vereinte Fachkompetenz aus Medizin, Pädagogik, Psychologie und den darstellenden Künsten, um über aktuelle Erkenntnisse und praktische Wege zu diskutieren, wie die Gesundheit von Musikerinnen und Musikern erhalten oder wiederhergestellt werden kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Prävention, Diagnostik und Rehabilitation im realen Berufsalltag wirksam umgesetzt werden können – von der Orchesterprobe bis zur Rückkehr nach einer gesundheitlichen Krise.
Klavierspielen verbessert die Lebensqualität älterer Erwachsener: Ergebnisse der randomisierten kontrollierten Studie „Besser altern mit Musik“
Florian Worschech, Damien Marie, Christopher Sinke, Matthias Kliegel, Kristin Jünemann, Daniel S. Scholz, Tillmann H. Krüger, Clara E. James, Eckart Altenmüller
Einleitung
Laut den Vereinten Nationen stieg die weltweite Lebenserwartung in den letzten 70 Jahren von 46,5 Jahren (im Jahr 1950 Geborene) auf 72,8 Jahre (im Jahr 2019 Geborene) (United Nations 2022). Diese zunehmende globale Alterung geht auch mit erheblichen Herausforderungen einher: abnehmende funktionelle Fähigkeiten, Multimorbidität, eine hohe Prävalenz nichtübertragbarer Erkrankungen, Demenz und Vereinsamung. Folglich besteht ein wachsender Bedarf an Maßnahmen, die die Lebensqualität im höheren Alter erhalten oder gar verbessern können.
Herausgeber:
J. Blum (Frankfurt-Worms), M. Fuchs (Leipzig), H.-C. Jabusch (Dresden), M. Schuppert (Würzburg-Kassel)
Hinweise für Autorinnen und Autoren
Die Fachzeitschrift „Musikphysiologie und Musikermedizin“ bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Originalarbeiten, Fortbildungs- und Übersichtsarbeiten zu veröffentlichen. Ausdrücklich willkommen sind Beiträge aus der Praxis. Zum Themenkreis gehören physiologische/ körperliche, psychologische/ psychosomatische und klinische Fragestellungen bei Musikerinnen und Musikern einschließlich präventiver und pädagogischer Aspekte. Die Auswahl der zur Veröffentlichung kommenden Beiträge trifft das Herausgeberteam in Zusammenarbeit mit einem wissenschaftlichen und einem künstlerischen Beirat.
Weitere Informationen zur Einreichung der Manusscripte etc. erhalten Sie hier:Hinweise für Autorinnen und Autoren